Unterwegs im Mekong Delta

CAN THO – Mit einem erneut sehr köstlichen Frühstück der Jan Hostel Besitzerin im Magen machen wir uns kurz vor 12 Uhr Mittags mit Sack und Pack auf die Weiterreise. Ein Trinkgeld für den super freundlichen Service, die vielen Tipps und das 1A Frühstück lehnt die Frau dankend ab. Wir hätten ihr die umgerechnet paar Franken gerne gelassen aber akzeptieren ihre Entscheidung. Gerne erfüllen wir ihr den Wunsch nach einer guten Bewertung auf booking.com. Mit einem Driver eines UBER-ähnlichen Systems machen wir uns auf in Richtung der FUTA Bus Station. Dort tauschen wir unsere Onlinebuchung gegen physische Fahrkarten um und nehmen in den Reihen Platz. In 5 Minuten soll uns ein kostenloser Shuttle zum etwas auserhalb liegenden Bus Terminal bringen. Die Shuttle kommen und gehen – wir haben dank der ausschliesslich vietnamesischen Ansagen keinen Plan wann wir einsteigen müssen. Ein freundlicher Vietnamese, der ebenfalls auf den Shuttle wartet und einige Worte Englisch spricht erkennt unsere Hilflosigkeit und nimmt uns unter seine Fittiche. Wir schaffen es rechtzeitig zum Busterminal und dort auf den richtigen Bus in Richtung Can Tho. Abgesehen vom vielen Gehupe ist die Fahrt in einem sogenannten Sleeper Bus sehr komfortabel. Vier Stunden soll sie dauern, nach 2.5 Stunden halten wir irgendwo – die Ansage nur auf vietnamesisch. Doch als der Driver unser Gepäck aus dem Gepäckraum auszuladen beginnt, stellen wir fest, dass es wohl schon Can Tho ist. FUTA bringt uns vom Bus Terminal kostenlos bis vor unser Hostel.

Ohne grosse Erwartungen an unser Ein-Nacht-Zwischenstopp schlendern wir nach Check In die Promenade am Mekong entlang und sind sehr positiv überrascht. Viel ruhiger als Ho Chi Minh, dennoch sehr belebt. Viele Restaurants, verschiedene Märkte, süsse Boutiquen, Kaffee-Bars und unterschiedlichste Hotels säumen die mit asiatischen Lampion dekorierte Promenade. Nach einem Spaziergang, einem leckeren Snack an einem Strassenstand und Englischexkursen mit einer vietnamesischen Schulklasse finden wir uns in einem hübschen Restaurant ganz vorne am Wasser zum Znacht. Super Ambiente – bis die britische Ü60 Reisegruppe mit schätzungsweise 30 Personen neben uns Platz nimmt. Zahlen und gehen war dann die Devise und in bedenken an die gebuchte Flowtingmarket-Tour um 5.00 Uhr des morgigen Tages war früh Schlafengehen sowieso keine schlechte Idee.

4.00 Uhr – der Wecker klingelt. Zugegeben ganz einfach war das Aufstehen nicht. Zudem hatte ich grossen Respekt vor dem kleinen Nussschalen-Böötli mit dem wir den unberechenbaren Mekong für 4 Stunden erkunden sollten. Einmal auf dem Böötli drauf war es dann aber kein Problem mehr – eher dann der Regen und die etwas zu kühle Kleiderwahl für 5.00 Uhr früh. Zudem lässt sich Pusgi gleich zu Beginn versichern, dass im Mekong keine Krokodile leben. Zumindest in diesem Abschnitt in dem wir uns befinden nicht.

Während der Fahrt erzählt uns der offensichtlich superintelligente Guide vieles über den Mekong, der von den Vietnamesen eigentlich gar nicht Mekong gennannt wird, die vietnamesische Kultur, die Geschichte des Landes und den Flowtingmarkt, den wir gleich besuchen werden. Die Bauern aus verschiedensten Regionen am Mekong kommen mit ihrer Ernte auf dem Boot für fünf bis sieben Tage in die nach Ho Chi Minh und Hanoi drittgrösste Stadt Vietnams, Can Tho und verkaufen ihre Ware ab Boot. An ein Mast gebundenes Exemplar ihrer Ware zeigt den potentiellen Käufern ihr Angebot und dient als Marketing. Der Guide erklärt uns, dass diese Art Früchte und Gemüse zu kaufen nur Sinn macht, wenn man grössere Mengen benötigt.

Nach dem Flowtingmarket besuchen wir eine Reisnoodle Fabrik und dürfen sogar selbst Hand anlegen. Dort gibts – wer hätte es anders gedacht – Pho Bo aus selbst gemachten Nudeln und originalen vietnamesischen Kaffee zum Frühstück. Zuletzt besuchen wir einen Früchtegarten, in dem meine Laune wegen ungefähr 10 neuer Mückenstiche (also hauptsächlich dem Respekt vor allen den tropischen, durch Mücken übertragenen Krankheiten) und einer Paddelfahrt in einem noch kleineren Nussschalen-Böötli zugegeben kurzerhand ziemlich in den Keller sinkt. Ohne aus der Nussschale zu fallen heil wieder angekommen, bekommen wir vieles über die einheimischen Früchtepflanzen wie Jackfruit, Dragonfruit, Wasser Kokosnusspalme und Guava erzählt über und selbstverständlich darf auch das Kosten der Früchte nicht fehlen. Auf der Nussschale Nr. 1 geht es dann zurück zu unserem Hostel, wo wir uns vor dem Check out und der Abholung durch FUTA nochmals hinlegen können.

Nach einer nervenerregenden (Fahrstil des Drivers bzw. Racers) und eisigen (Klimaempfinden des Drivers) 4-Stunden Fahrt erreichen wir unser nächster Ein-Nacht-Zwischenstopp Chau Doc, der im Gegensatz zu Can Tho deutlich abfällt. Vergebens suchen wir die gemütliche Promenade, die einladenden Restaurants oder die Boutiquen. Schlussendlich essen wir an einer Strassenküche für umgerechnet 85 Rappen pro Person die beste Pho Bo inkl. Grüntee dazu zum Znacht. Und auch hier wird ein Trinkgeld von umgerechnet 40 Rappen freundlich lächelnd abgelehnt. Die beiden Ratten, die unter unserem Tisch und den Kinderstühlen aus Plastik Essensreste zerfetzen vergisst man bei dieser Gastfreundschaft gerne. Morgen geht es dann auf dem Speedboat weiter den Mekong aufwärts mit Grenzübertritt nach Kambodscha bis in die Hauptstadt Phnom Penh.