Bis an die Grenze und darüber hinaus

CHAU DOC – Am frühen Morgen schon geht es, nach diesmal einem endtäuschenden Frühstück, von Chau Doc weiter Richtung Kambodscha. Die Bootsunternehmung holt uns um 6.40 Uhr, 50 Minuten vor Abfahrt des Boots, bei unserem Hotel ab – das war zumindest die Abmachung. Nach 40 Minuten Warten kam schon langsam Nervosität auf und wir haben das Szenario, wenn wir das Boot verpassen, gedanklich schon durchgespielt. Als wir schon nicht mehr daran glaubten, kommt ein Minivan mit einem seelenruhigen Fahrer angefahren und nimmt uns mit zur Anlegestelle.

Beim Ausfüllen der Arrival Cards auf dem Boot stellen wir fest, dass wir auf dem ganzen Boot die einzigen zwei Personen sind, die ihr Visa schon haben, weshalb wir uns auf ein langfädiges Prozedere einstellten. Nach ungefähr einer Stunde Bootsfahrt erreichen wir die Grenze, wir legen an und steigen aus dem Boot aus. Die lange Wartezeit habe ich genützt um meine restlichen vietnamesischen Dong in kambodschanische Riel zu tauschen, Pusgi hat vorallem gegessen. Aber es will nicht weitergehen und mir wird auf der schwimmenden Plattform langsam aber sicher anders, weshalb das erste Itinerol fällig wird. Nach gefühlt einer Stunde, als ich mich gerade wieder besser zu fühlen beginne, geht es zurück aufs Boot. Yeah, wir sind in Kambodscha! Zwei Minuten später halten wir erneut an einer Anlegestelle und mir wird klar, das war erst die Ausreise aus Vietnam, jetzt erst kommt das Einreiseprozedere nach Kambodscha.

Wie erwartet dauert dieser Aufenthalt länger als der gerade erst verdaute. Aber immerhin ist der an Land und bewegt sich nicht. Im ersten Häuschen müssen alle die, die noch kein Visum haben, ihr Visum beantragen. In einem anderen Häuschen gibt es eine Identitätskontrolle mit Fingerprint und das Visa wird abgestempelt. Zuletzt kontrolliert beim wieder Besteigen des Boots ein Grenzwächter nochmals irgendetwas. Nach der Grenze können wir noch ungefähr 3 bis 4 Stunden Boot fahren.

Am Ufer erkennt man bereits die beeindruckenden Tempelbauten und die unglaubliche Freundlichkeit der Kambodschaner. Immer wieder winkt uns eine Gruppe am Mekong spielender Kinder oder arbeitender Erwachsene zu. Total verschwitzt treffen wir Mitte Nachmittag in Phnom Penh ein und nehmen uns das erste TukTuk zum Hostel. (Keine Ahnung wieso die Vietnamesen diese Vortbewegungsart nicht kennen.)

Eine kalte Dusche und frische Kleider später schlendern wir durch die Strassen der Stadt. Weg von den touristischen Restaurants am Mekong findet man weiter hinten in der Stadt authentische Restaurants, Boutiquen, die faire Produkte verkaufen, beeindruckende Tempelanlagen, viele Mönche und vor allem unglaublich herzliche Khmer. In einem Restaurant gibts super leckere Dumblings und das erste Angkor Bier als Apéro. Der junge Koch, der kein einziges Wort Englisch spricht und alle Nudeln, die das Restaurant verwendet selber herstellt, erklärt uns mit Gesten wie man sich die Sauce für die Dumblings zusammenmischt.

Zum Znacht gabs die beiden Nationalgerichten LokLak und Amok, wobei Amok wesentlich besser abschneidet. Nach dem Essen zieht es uns an den Night Market, vorbei an den touristischen Restaurants vorne am Mekong, die sich nun mit vielen älteren westlichen Männer, die alleine oder zusammen mit einer jungen Kambodschanerin dinieren, füllen. Dadurch etwas nachdenklich gestimmt erreichen wir wenige Minuten später den Night Market, an dem wir fast ausschliesslich Einheimische und wenn dann an der einheimischen Kultur interessierte Traveller antreffen. Erneut erleben wir überaus herzliche und hilfsbereite Khmer. Bei allem was sie tun wirken sie zufrieden und sie scheinen alles sehr bewusst zu machen und sich dabei Mühe zu geben. Überwältigt von dieser aufgestellten und fröhlichen Art, die in der Schweiz so oft fehlt sind meine Gedanken ab und an wieder bei den vorhin gesehenen Frauen. Als ein einheimischer Mann mich anstrahlt und sagt: Welcome! schiessen mir tatsächlich ein paar Tränen in die Augen und mir wird klar, ich bin an meine Grenzen oder etwas darüber hinaus gestossen.