Phnom Penh – mehr als die Hauptstadt von Kambodscha

PHNOM PENH – Die letzten beiden Tage haben wir Phnom Penh erkundet. Verglichen mit anderen von mir besuchten Städten in Südostasien (Ho Chi Minh, Bangkok, Kuala Lumpur und Singapur) muss ich sagen: Phnom Penh hat mein Herz erobert! Hier könnten wir locker eine Woche bleiben und es gäbe noch so vieles zu sehen und zu tun. Das gerade andauernde Water Festival in der Stadt machte uns die Besichtigung verschiedener Sights zwar nicht gerade einfach – viele Strassen sind vor lauter Menschen und Verkehr verstopft, andere ganz gesperrt. Die Silberpagode und der Königspalast konnten wir deswegen nicht besichtigen. Sie bleiben während des Festivals geschlossen.

Am Mittwoch stand nach zweimal früh Aufstehen wieder einmal Ausschlafen auf dem Programm. Als wir nach Mittag das Hostel verlassen, werden wir von einer fast unaushaltbaren Hitze begrüsst. Das Wetter in Phnom Penh zeigt sich viel heisser und sonniger als in Vietnam. Zuerst deponieren wir unsere dreckige Wäsche bei einer Wäscherei, suchen uns etwas zu Frühstück – falls man das um ca. 13.00 Uhr noch so nennen darf – und machen uns dann auf den Weg zum Wat Phnom. Der Tempel auf einem kleinen Hügel im Norden der Stadt verleit ihr ihren Namen. Danach gehts mit einem TukTuk weiter zum Psar Themi. Ein lustiges Gebäude in dem hauptsächlich Schmuck hergestellt und verkauft wird. In einem der vier Flügel des Gebäudes wird aber auch gekocht und frische Früchte verkauft. Dort kaufen wir uns ein halbes Kilo Jackfruit, das wir auf der Stelle verputzen. Danach stand eigentlich der Königspalast und die Silberpagode auf dem Programm, stattdessen geraten wir in ein riesiges Volksfest und wir beobachten zusammen mit gefühlt dem ganzen Land die Ruderbootrennen im Mekong und essen eine um die andere Spezialität von den Strassenhändlern. Die Käfer und Spinnen sowie die fritierten Eidechsen oder Hühnerfüsse und angebrüteten Enteneier lassen wir dabei liebend gerne aus. (Es scheint als würden die Kambodschaner alles essen.) Beim Schlendern durch einen Park in Richtung Bassac Lane entdecke ich aber eine überaus köstliche Speise. Es ist süss, riecht ähnlich wie die Waffeln in der Berner Altstadt, ist hauchdünn und wird wie eine Omlette auf einem eisen zubereitet. Bevor es aufgerollt wird kommt etwas geraspeltes orangefarbenes hinein. Keine Ahnung was es ist, aber hervorragend. Angekommen in der Bassac Lane legen wir eine Pause in einer sehr süssen Café-Bar ein und geniessen ein kühles Ankor. Nach dem Abendessen kämpfen wir uns durch das Gedränge, vorbei an riesigen Konzerten, am Unabhängigkeitsdenkmal und dem beleuchteten Königspalast, zurück zu unserem Hostel, wo wir von unserer Rooftop Bar das Spektakel aus der Ferne beobachten. Dazu gibts eine Runde Star Realms – ein weiteres Spiel nebst unserem Käferspiel.

Am Donnerstagmorgen wollen wir wieder etwas früher los und der Silberpagode eine zweite Chance geben. Zuvor holen wir unsere frische Wäsche ab (minus zwei Socken – leider kein Paar und ein Shirt) und organisieren die morgige Weiterreise nach Siam Reap. Da die Website der empfohlenen Busunternehmung nicht mobilefähig und das WiFi derart langsam ist, entscheiden wir uns kurzerhand im Office vorbei zu gehen und ergattern uns wenig später zwei der letzten fünf Sitze im morgigen Bus. Nach einem kambodschanischen Kaffee und einem Fried Rice mit Chicken (oder zumindest dessen Knochen) in einem überaus authentischen Restaurant fahren wir, doch nicht so früh, mit einem TukTuk zur Silberpagode. Und wie der Fahrer schon befürchtete, war sie erneut geschlossen – schade! Im Reiseführer lesen wir kurz nach, was wir verpassen und entscheiden uns dann die Killing Fields von Choeung Ek zu besuchen um die kambodschanischen Geschichte näher kennen zu lernen. Während wir auf ein TukTuk warten, werden wir erneut Zeugen von der unglaublichen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Khmer. Einer Frau auf einem mit Wasserflaschen vollgepackten Motorbike fallen beim über einen Absatz Fahren sämtliche Flaschen vom Roller. Eine am Strassenrand stehende andere Frau mit Motrbike eilt sofort herbei und hilft ihr die Flaschen aufzuheben und sie wieder auf dem Roller zu befestigen. Als sie merkt, dass dies eine grössere Herausforderung wird, packt sie einige der Flaschen auf ihr eigenen Roller und bringt sie der ersten Frau folgend nach Hause. Einfach nur schön!!

Ich wusste bereits im Voraus, dass der Besuch im Choeung Ek für mich erneut ein Grenzgang geben wird und es wahrscheinlich schönere Dinge zu besichtigen gäbe. Dennoch finde ich es wichtig, sich mit solchen Geschehnissen auseinander zu setzen. Die Stimmung auf dem Gelände ist eiegnartig und ich war froh darüber, dass wenigstens gutes Wetter war. Dennoch kam ich an einigen Stellen auf dem Rundgang wie erwartet an meine Grenzen. Über die Details des Gesehenen sowie die Gräueltaten an sich werde ich hier keine Worte verlieren, da es schwirig ist die richtigen Formulierungen für soetwas zu finden. Wer sich interessiert findet im Internet sicherlich reichlich Informationen. Und da ich es als respektlos erachte an solchen Orten Fotos zu schiessen, gibt es hiervon auch keine Bilder.

Nach einer ca. 30-minütigen TukTuk-Fahrt zurück nach Phnom Penh, die dem Austausch und somit der Verarbeitung des Gesehenen dient, bin ich froh wieder im Gedränge angekommen zu sein. Die quirlige Stimmung und die aufgestellte, fröhliche Art der Khmer, die wegen des Water Festivals sowieso in guter Laune sind, helfen aus der Geschichte zurück zu kehren. Wir schlendern, wie tausende Einheimische durch die Strassen und setzen uns nicht weit entfernt von unserem Hostel in ein Restaurant um ein Apéro zu schnousen und eine weitere Runde Star Realms zu spielen. Zum Znacht gehts nochmals in das Restaurant mit den frischen selbstgemachten Noodeln und wie könnte es anders sein, es gibt Noodle Soup. Dann stand noch Snacks für die morgige Fahrt nach Siam Reap einkaufen und packen auf der To Do List bevor wir den Tag erneut auf der Dachterasse unseres Hostels bei einem Angkor und Star Realms ausklingen lassen.