Über die schönen Zufälle, die das Leben erhellen

Für einmal kein herkömmlicher Reisebericht, aber hoffentlich dennoch lesenswert…

Gesundheitlich ziemlich angeschlagen wache ich am Dienstagmorgen auf. Ich habe mich schon an unserem day off gestern nicht wirklich toll gefühlt – wahrscheinlich war es die frühe, sehr kühle Fahrt zum Angkor Wat, bei der ich mich erkältet habe. Wie auch immer, es stand Zusammenpacken und Weiterreisen auf dem Programm. Weil wir uns in Siem Reap aber so wohl gefühlt haben, in Battambang das von uns präferierte Hostel schon ausgebucht war, wir von der Stadt sowieso nicht viel erwarteten und es den ganzen Tag regnete, waren wir nicht besonders motiviert. Nach einem letzten Frühstück und einer fast schmerzlichen Verabschiedung fahren wir in einem äusserst – nennen wir es amüsanten – Bus los in Richtung Battambang. Immerhin war die Fahrt die bisher angenehmste, worüber ich ziemlich froh war. Als wir in Battambang ankommen, ist es bereits dunkel und meine Kopfschmerzen kaum mehr auszuhalten. Umso weniger kann ich mich für den neuen Ort und die vielen, bei der Bushaltestelle wartenden TukTuk Fahrer begeistern. Nur noch zum Guesthouse bitte. Aber auch dort steigt meine Begeisterung nicht wirklich. Das Guesthouse ist zwar sauber und es ist alles vorhanden, was man sich wünscht. Was fehlt ist der Charme und das zuvorkommende und kommunikative Personal, das wir uns von Siem Reap geradezu stark gewohnt waren. Als wir beim Check In nach einem Laundry Service und der einfachsten Weise um an die thailändische Grenze zu gelangen fragten, gaben sie uns nur spärlich und ernüchternd Antwort. Von einer Unterstützung bei der Organisation wagen wir uns dann gar nicht mehr erst zu träumen. Als das Fieberthermometer dann auch noch erhöte Temperatur anzeigt, ist meine Stimmung am Boden.

Dennoch zieht uns die winzig verbleibende Neugier und vor allem der Hunger in die Stadt. Übrigens das erste Mal seit Beginn dieser Reise in langen Hosen und einem Pulli – erstaunlich wie stark die Temperaturen fallen, wenn ein Tag die Sonne nicht scheint und Regen fällt. Nur wenige Schritte von unserem Hostel weg, wird uns ein TukTuk angeboten. Wohl ziemlich genervt geben wir dem Driver deutlich zurück, dass wir kein TukTuk wollen. Zwei bis drei Häuser weiter kommt wieder einer mit einem TukTuk angefahren und fragt uns wo wir hin wollen. „Ins Stadtzentrum“, entgegnen wir erneut nicht sehr freundlich und gehen weiter. „Dafür lauft ihr aber in die falsche Richtung.“, hören wir den Fahrer hinter uns rufen. Er fährt etwas weiter neben uns und sagt:“Kommt, ich nehme euch mit. Ich fahre sowieso gerade ins Stadtzentrum.“ Dara (wie Sara ausgesprochen, nur mit D) hat gerade meine Negativspirale, in der ich emotional steckte durchbrochen und mir die Augen geöffnet. Komplett überrumpelt von dieser Freundlichkeit steigen wir ins TukTuk und realisieren, dass es derselbe Driver ist, den wir schon vor unserem Hostel angemault haben. Als Dara zudem auch noch irrsinnig gut Englisch (und sogar ein paar Worte Deutsch) spricht, er uns sämtliche vorhin dem Hostelpersonal gestellten Fragen super ausführlich beantwortet, uns anbietet uns beim Buchen des Transfers an die thailändische Grenze zu unterstützen und uns auch noch ein super Restaurant zum Znacht empfiehlt hat er unseren Tag gerettet. Aber damit noch nicht genug. Als uns Dara nach unserem morgigen Tag fragt und er uns mögliche Touren vorstellt, wir aber erwähnen, dass wir aufgrund meines Befindens noch nicht wissen, was wir morgen machen, empfiehlt er uns kurzerhand Hausmittelchen gegen Fieber, Kopfschmerzen und verstopfte Nase und zückt ein professionelles Visitenkärtli – wir sollen uns doch melden, wenn es mir besser geht. Komplett überrumpelt geben wir ihm gerne ein kleines Trinkgeld, auch wenn er uns kostenlos fahren wollte.

Bevor wir uns ins Restaurant setzen, drehen wir eine Runde im Stadtzentrum. Und tatsächlich: Battambang ist, wie bis jetzt ganz Kambodscha, wunderschön. Selbst bei Nacht und Regen, selbst mit Hunger, Fieber und Kopfschmerzen. Was mir aus der Geschichte bewusst wird:

  • Externe Enflüsse können helfen negative Spiralen zu durchbrechen.
  • Dinge erscheinen anders, wenn man ihnen positiv eingestellt ist.
  • Es lohnt sich zwei Mal freundlich zu sein. (Auch wenn man beim ersten Mal einen Rüffel kassiert.) Vielleicht bin ich ja einmal der externe Einfluss. 😉

Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Nach dem Einkaufen der Hausmittelchen, dem leckeren Znacht und ein paar Runden Tschou Sepp (ein Spiel wie UNO, das mit Jasskarten gespielt wird) machen wir uns zu Fuss auf den Weg nach Hause, der an der Bushaltestelle vorbei führt. Schon von weitem sehen wir dort ein TukTuk warten. Als wir näher kommen winkt uns Dara mit einem freundlichen Lachen zu und startet sein Moped sofort. Er bringe uns zurück zum Hostel. Er warte sowieso auf den Bus und der komme nicht gleich in den nächsten paar Minuten. (Wie um alles in der Welt kann man so freundlich sein?!) Dara stellt uns kostenlos zurück zum Hostel und wir verabreden uns mit ihm für morgen um den Transfer an die thailändische Grenze zu organisieren und einen Ausflug zum Bambootrain zu machen. Falls ich mich nicht im Stande dazu fühle, sollen wir ihm kurz eine Whats App Nachricht senden.

Die Ausflüge am kommenden Tag sowie die Verabschiedung von Dara folgen in einem weiteren Blogbeitrag. 🙂