Vom Bambootrain, den unzähligen Fledermäusen und Dara

BATTAMBANG – Als der Wecker am Mittwochmorgen klingelt fühle ich mich noch nicht wirklich besser, dennoch zieht es mich auf die Tour mit Dara. Wie abgemacht holt er uns um 9.00 Uhr bei unserem Guesthouse ab. Zuerst fahren wir zu einem Taxioffice, wo wir für morgen einen Transfer an die thailändische Grenze buchen. Alles ziemlich unkompliziert mit einem khmer sprechenden Freund. 🙂 Im Anschluss kurven wir noch etwas durch die Stadt um das beste Frühstück und den besten Kaffee zu ergattern. Während dieser Tour präsentiert uns Dara bereits sein unglaubliches Wissen über die Stadt. Hie und da halten wir bei einem Gebäude oder einer Statue an und er erzählt uns die dazu passende Geschichte. Schlussendlich fahren wir über Strassen in miserablen Zuständen durch kleine und offensichtlich sehr arme Dörfer bis zum sogenannten Bambootrain. Der Bambootrain wurde früher verwendet um die weiter ausserhalb liegenden Dörfer mit Ware zu versorgen, heute ist es eigentlich nur noch eine Touristenattraktion und bald muss auch die der neuen Bahnlinie weichen. Die Züge resp. einzelne Wagen sind sehr rudimentär und bestehen aus zwei Achsen mit je zwei Rädern sowie einem aus Bambusrohren zusammengebundenes Brett. Für den Antrieb sorgt ein kleiner Rasenmähermotor und eine Art Riehmen, der auf die hintere Achse geht. Also los.

Die Fahrt war unglaublich amüsant. Da es keine Weichen und auch kein zweites Gleis gibt, muss das Gefährt unterwegs zum Kreuzen nämlich immer wieder von den Schienen abgebaut werden. Dazu gibt es drei Regeln. Es baut immer dasjenige Gefährt ab, welchem weniger Gefährte in dieselbe Richtung folgen. Ist danach noch unentschieden, baut dasjenige Gefährt ab, bei dem weniger Leute mitfahren. Ist immer noch unentschieden, baut dasjenige Gefährt ab, aufdem die jüngeren Leute sitzen. Wir hatten also ziemlich verloren und mussten unser Zug einige Male von den Schienen heben. War aber nicht weiter schlimm – im Gegenteil. Es war ziemlich unterhaltsam.

Jeder der uns entgegen kommt, lacht sich den Bauch voll und auch die Driver finden es, soweit wir dies beurteilen können, ziemlich amüsant. Die Fahrt an sich führt eigentlich nirgendwo hin. Zu ein paar Häusern, wo wir einige Minuten Zeit haben um uns mit den Kindern dort, die übrigens erstaunlich gut Englisch sprechen, auszutauschen. Die Driver wenden in der Zeit die Bambusgefährte. Dann gehts zurück zum Ausgangspunkt wo uns Dara bereits erwartet. Er bringt uns zurück in die Stadt, wo wir etwas Zmittag essen und uns bis 15.00 Uhr ein wenig die Zeit totschlagen. Dann nämlich starten wir mit Dara auf einen Ausflug zu Phnom Sapeau – zu einem ungefähr 30 Minuten ausserhalb liegenden Hügel auf welchem die Tempel stehen. Als um 15.00 Uhr jedoch nicht Dara, sondern sein Onkel (Dara sei gerade busy) vorfährt, sind wir sichtlich enttäuscht. Janu, wir freuen uns dennoch auf den Ausflug. Am Fuss des Hügels gilt es zuerst die Eintrittsgebühren (gemäss Reiseführer und Dara 1$ pro Person) zu bezahlen. 2$ pro Person mache es. Als wir dem Offizier erklären, dass wir mitgeteilt bekommen haben, dass es nur 1$ pro Person sei, meinte er nur: „Aha, ja so. Ok, dann könnt ihr für 1$ pro Person rein.“ Ein Versuch wars Wert. Wir machen uns zu Fuss an den Aufstieg auf den Hügel. Ungefähr in der Mitte des Weges erreichen wir eine Pagoda und die sogenannten killing caves. Zu unserem Erstaunen finden wir dort auch Dara, der eine deutsche Touristin herumführt. Sichtlich geplagt vom schlechten Gewissen stellt er uns ihr vor, rettet die Situation mit einer plausiblen Erklärung und nimmt uns von da an mit ihr mit. In den killing caves werden wir erneut mit der schrecklichen Geschichte und anderen Schicksalen unter den Khmer Rouge konfrontiert. An der höchsten Stelle des Hügels stehen dann die eher unspektukulären Tempel. Umso schöner jedoch ist die Aussicht über das weite flache Land.

Wieder unten angekommen gibt uns Dara ein Bier aus und wir fahren zu viert, Daras Onkel, die deutsche Touristin, Pusgi und ich – Dara musste noch kurz sein Handy aufladen – etwas weiter zu einem Spot, wo wir nach einigen Kletterkünsten den Sonnenuntergang und das Spektakel der zwei bis drei Millionen Fledermäuse beobachten können. Diese sind allesamt in einer Höhle am Fuss des Berges und fliegen in der Dämmerung aus um Futter zu suchen.

Danach trennen sich unsere Wege. Wir fahren mit dem Onkel von Dara zurück nach Battambang, Dara bringt die deutsche Touristin zu ihrem Hotel zurück. Irgendwie speziell, sich nicht richtig verabschieden zu können. In einem sehr guten und zudem fairen Restaurant geniessen wir ein leckeres Znacht und machen uns dann bald einmal auf den Weg zurück zum Guesthouse. Auf dem Rückweg treffen wir erneut auf Dara, der jedoch gerade am Telefon besetzt ist. Wir winken ihm also zu und gehen weiter. Als wir fast schon zu Hause sind hören wir, wie ein TukTuk von hinten angefahren kommt. Es ist Dara. Er ist extra hierher gefahren um sich bei uns zu bedanken und sich zu verabschieden. Unglaublich!