Thailand unter keinem guten Stern

CHANTHABURI – Als wir am Donnerstagmorgen aus dem Guesthouse auschecken fühle ich mich wider beinahe gesund und unser Taxi steht bereits vor der Türe. Auch mit dabei, Dara. Er ist extra gekommen um zu fragen, ob wir alles haben, ob wir schon einige thailändische Bath dabei haben und um sich zu verabschieden. Fast zu Tränen gerührt steigen wir ins Taxi. Der Abschied von Dara, Battambang und zwei Stunden später auch von Kambodscha fällt nicht einfach. Kurz vor der Grenze wechseln wir unsere restlichen kambodschanischen Riel in Thaibath. Wenig später verabschieden wir uns von unserem Driver und reisen aus dem Land aus. An dieser Stelle ein riesengrosses Dankeschön an Kambodscha. Aus meiner Sicht das bisher schönste von mir bereiste Land. Die unglaublich herzlichen Menschen, das leckere aber nicht scharfe Essen, die atemberaubenden Angkor Tempel, die schönen Landschaften und Städte und vieles mehr haben sich tief in mein Herz gebohrt. Ich komme definitiv zurück!

Die Einreise nach Thailand ist eigentlich keine grosse Sache. Das Problem jedoch wartet hinter der Grenze. Da wir aufgrund unserer Route nicht den von den Meisten gewählten Grenzübergang, sondern einen weit unbedeutenderen überqueren, sind wir nahezu die einzigen westlichen Traveller. Von den wenigen die es hat sind wir anscheinend aber die einzigen, die die Grenze individuell überqueren und nach der Einreise auf der Suche nach einem Transfer nach Chanthaburi sind. Wir werden nahezu überfallen von unsympathischen Typen die hinter der Grenze lauern und uns alle sehr verbissen und teilweise aggressiv ein Taxi andrehen wollen. Dara erzählte uns, dass hinter der Grenze viele Minibusse warten, die einen für 100-200 Bath nach Chanthaburi bringen. In der Tat standen da viele Busse nur waren weit und breit keine Driver zu finden ausser die nicht wirklich vertrauenweckenden Taxi-Bande. Etwas überfordert und eingeschüchtert setzen wir uns in ein Kaffee und hirnen über das weitere Vorgehen. Gibt es irgendwo ein Office, indem die Minibustickets verkauft werden? Anscheinend nicht. Anscheinend fahren heute gar keine Minibusse, das behaupten auf jeden Fall die merkwürdigen Taxidriver. Finden wir irgend eine vertrauenswürdige Person, die Englisch spricht und uns ein offizielles Taxi organisieren kann? Nach etlichem Suchen auf dem ganzen Areal ist die Antwort ebenfalls nein. Schon mit dem Gedanken umzukehren und zurück nach Battambang zu fahren, steigen wir am Ende doch bei einem ins „Taxi“, ein PickUp mit einer zerborstenen Frontscheibe. Uns ist beiden unglaublich übel und die ganze Fahrt über haben wir Angst, wir kommen hier nie mehr wieder raus. Der Driver fährt uns, zwar für viel zu viel Geld, aber wirklich nach Chanthaburi und lässt uns dort auch wieder raus. Was im Nachhinein die gescheiteste Lösung gewesen wäre? Wir wissen es nicht. Vorbuchen kann man die Transfers nicht. Ein Abholservice vom Hotel in Chanthaburi wäre wohl eine gute Alternative gewesen. Wie auch immer. Erschlagen aber froh treffen wir am Busbahnhof in Chanthaburi ein. Dann gleich die nächste Überraschung: Wir sind ein Tag zu früh. Respektive wir haben das Hostel eine Nacht zu spät gebucht. Was nun, gleich am Busbahnhof in einen Bus nach Koh Chang und den Zwischenstopp in Chanthaburi auslassen oder beim Hostel vorbeigehen und die Sache schildern. Wir entscheiden uns für zweiteres. Beim Hostel angekommen finden wir erneut nicht sehr gut Englisch sprechendes Personal. Mit etwas Mühe aber verstehen sie, was unser Problem ist und wir können in ein freies Zimmer einchecken. Die morgige Nacht zahlen wir wegen der abgelaufenen Stornofrist natürlich dennoch. Auf die Frage, wie wir morgen am besten nach Koh Chang gelangen folgt jedoch wiederum eine nicht wirklich hilfreiche Antwort. (Achtung: Bitte an dieser Stelle noch keine Vorurteile bilden!)

Immerhin ist das Hostel wunderschön. Im Zimmer informieren wir uns online über die Weiterreise nach Koh Chang und versuchen, das Hotel dort um eine Nacht zu verlängern. Nach dem die Operation geglückt ist, begeben wir uns in die Stadt. An der sogenannten Waterfront finden wir beinahe keine Leute und sowieso keine Touristen aber dennoch einige süsse Restaurants um etwas zu trinken und zum Znachtessen. Nicht all zu spät kehren wir zum Hostel zurück. Immerhin wollen wir morgen früh weiter, um am Nachmittag unseren lang ersehnten Badeurlaub in einem eigenen Bungalow am Meer (der nun sogar noch um einen Tag verlängert wurde) einzuleuten. Aber Thailand meint es gerade nicht sehr gut mit uns… Pusgi leidet seit morgen um 4.00 Uhr an starken Bauchschmerzen und verbringt den Rest der Nacht fast ausschliesslich auf dem Klo. Nachdem der Wecker klingelt schieben wir das Aufstehen jeweils um 30 Minuten weiter raus. Kurz vor 10.00 Uhr gehe ich, bevor es schliesst, noch zum Frühstück. Leider ohne Pusgis Begleitung. Check out sei um 11.00 Uhr. Als Pusgi aber um 10.30 Uhr auch noch zu erbrechen beginnt, sehen wir für ein rechtzeitiges Check out und die heutige Weiterreise schwarz. Ich versuche mit dem Hotel ein late Check-out auszuhandeln und frage, ob das Zimmer für eine weitere Nacht frei wäre, falls wir nicht weiterreisen können. Das ist es gottseidank. (Immerhin haben wir ja diese Nacht ursprünglich gebucht.) Schade nur, dass wir unterdessen auch das Hotel auf Koh Chang nicht stornierbar verlängert haben. Wir zahlen die Nacht also bereits dreifach. Einmal Stornogebühren des Hotels in Chanthaburi an booking.com, einmal das Zimmer in Chanthaburi an das Hotel und einmal ein nicht benutztes Zimmer auf Koh Chang. Aber ja. Etwas später sitze ich hinten auf dem Roller der Rezeptionistin auf dem Weg in die Apotheke, organisiere Medikamente, Wasser, weiteres WC Papier und eine Banane. Doch das nächste Problem wartet schon. Wir sind komplett out of stock in Sache Wäsche. Da wir von einem längeren Aufenthalt auf Koh Chang ausgegangen sind, haben wir das Waschen vor uns hingeschoben. Also gilt es auch noch diese Angelegenheit zu regeln während dem sich Pusgi zwischen Bett und Badezimmer bewegt.

Als wäre es nicht schon zermürbend genug, verschlechtert sich Pusgis Zustand zusehendst. Ich harre aus, bis er mir mitteilt, dass er anscheinend Blut erbrochen hat. So, genug nun! Ab ins Spital. Nervlich am Ende, habe ich unglaublich Mitleid und mache mir grosse Sorgen. Zum ersten Mal wünschte ich mir einfach nur zu Hause in der Schweiz zu sein. Ich schaffe es über das Hostelpersonal irgendwie ein Taxi zu organisieren. Als mir Pusgi im Lift zusammenzubrechen droht, stosse ich aber erneut an meine Grenzen. Nur noch ab ins Spital. Sehr dankbar darüber, dass dieses nur einen Kilometer von unserem Hostel entfernt ist und die medizinische Versorgung in Thailand als massiv besser als in Kambodscha gilt, treffen wir ohne weiteren Zwischenfall im Spital ein. Wie könnte es anders sein, dort wartet aber bereits die nächste Herausforderung. Die Leute am „Empfang“ sprechen ebenfalls kein Wort Englisch. Die Aufnahme der Personalien sowie die Schilderung der Sympthome dauert unglaublich lange. Doch dann schaffen wir es doch noch in eine Art Notaufnahme, wo Pusgi endlich hinliegen kann. Eine Krankenpflegerin versucht dort das Leiden zu erfragen. Doch auch sie, nur sehr spärliches Englisch. Dank Google Translate findet die Kommunikation dann auf Deutsch – Thailändisch statt und wir schaffen es irgendwie der Frau klarzumachen, was Sache ist. Es folgen erneut sehr lange Wartezeiten. Dann taucht plötzlich eine Ärztin auf. Und siehe da – sie spricht fliessend Englisch. Es erfolgt eine mehr oder weniger gründliche Untersuchung. Die Diagnose irgend ein bakterieller Infekt im Magen (soweit ich das richtig verstanden habe) – eine Lebensmittelvergiftung? Weil das Fieberthermometer über 39 Grad anzeigt und Pusgi zudem total dehydriert ist, soll er eine Nacht im Spital bleiben. Und somit zahlen wir die Nacht ein viertes und diesmal ziemlich saftiges Mal. Pusgi erhält eine Infusion gelegt, worüber er Anthibiotika, Flüssigkeit (Elektrolyt?) sowie ein Mittel gegen Fieber und Schmerzen und ein weiters gegen Durchfall und Übelkeit erhält. Während die Infusion gelegt wird muss ich mich um das Zahlungsprozedere kümmern. Auch dies stellt sich als Herausforderung dar. Keine Formulare in Englisch. Hier, hier und hier unterschreiben. Mit meiner Unterschrift über Pusgis Namen – janu, hauptsach es geht ihm besser. Einmal verschoben in das Zimmer stabilisiert sich sein Zustand drastisch und ich beginne mich allemal etwas zu entspannen.

Gerade als ich mir allen Mut zusammengesammelt, die Karte herutergeladen und mich alleine auf den Weg zurück zum Hostel machen wollte, kommt mir die gesamte Hostelcrew entgegen. Sie wollen Pusgi besuchen kommen und nachsehen wie es ihm geht. Wieder einmal überrumpelt von der Herzlichkeit der Menschen hier, führe ich sie zum entsprechenden Zimmer. Sie helfen uns noch mit Übersetzen und informieren uns, dass wir uns morgen keine Sorge um das Check out machen sollen. Wir können auch nach 11.00 Uhr auschecken oder auch noch eine Nacht bleiben, wir müssen lediglich das Zimmer wechseln. Zudem nehmen sie mich dann gleich mit dem Roller zurück zum Hostel. Ich packe ein paar Sachen für ins Spital zusammen und packe zudem beide unsere Rucksäcke, so dass sie diese bereits ins neuen Zimmer zügeln können, falls wir nicht zurück sind bevor das house keeping hinein muss um den Raum für die nächsten Gäste rechtzeitig sauber zu machen. Anschliessend fährt mich jemand vom Hostel kostenlos zurück zum Spital, wo ich auf einem Sofa im Zimmer von Pusgi übernachten kann. Pusgi geht es schon viel besser und es gilt jetzt einfach abzuwarten.