Auf dem Rostesel durch die Strassen von Negombo

NEGOMBO – Nach einem nicht all zu angenehmen aber dafür nicht sehr langen Flug empfängt uns Sri Lanka mit ziemlich angenehmen Temperaturen. Der Flughafen ist nicht annähernd mit demjenigen in Bangkok zu vergleichen, weshalb wir unser Gepäck erstaunlich rasch vom Band nehmen können. In der Ankunftshalle machen wir gleich unsere erste, sehr angenehme sri lankesische Bekanntschaft. Michael arbeitet am Stand einer Taxiunternehmung und nennt uns einen Preis um zu unserem Guesthouse in Negombo zu gelangen. Er ist sehr freundlich und reagiert überhaupt nicht genervt, als wir ihm sagen, dass wir uns noch ein paar Preise von anderen Anbietern einholen wollen. Nach Dong, Riel und Bath gilt es zudem an einem ATM nun Rupien zu beziehen. Einigen Konkurrenzofferten später und mit frischem Bargeld im Sack führt uns unser Weg zurück zu Michael. Er bedankt sich und begleitet uns nach draussen bis zum Taxi, erklärt dem Driver wo wir hin wollen und verabschiedet sich von uns. Die Fahrt nach Negombo dauert länger als gedacht und der Driver ist sichtlich durstig. Er trinkt nämlich in gerade so grossen und häufigen Schlücken von einer Flasche Weisswein, die in der Getränkehalterung in der Mittelkonsole steht, wie wir von unserer Wasserflasche. Beim Guesthouse angekommen sind wir überwältigt vom ersten positiven Eindruck von Sri Lanka und werden auch im Guesthouse herzlich empfangen. Die gute Stimmung lässt dann aber rasch nach, als wir feststellen, dass in unserem Zimmer eine ganze Mückeninvasion lebt. Wir machen uns auf die Jagd. Als 14 zu 10 für Pusgi steht und es immer noch unzählige dieser Viecher hat, fällt meine Laune ganz in den Keller – nicht weil ich zu verlieren schien, sondern weil ich nicht noch mehr verstochen werden wollte. Wir melden das Problem dem Guesthouse Manager, der kurzerhand selbst in unserem Zimmer einen Anti-Mücken Stecker installieren kommt. Noch etwas misstrauisch machen wir uns in die Nachbarschaft auf. In einem süssen Strandrestaurant werden wir von dessen Eigentümer erneut sehr freundlich begrüsst, geniessen unser erstes lokales Bier (Lion) und teilen uns einen Thunfisch vom Grill. Am Tisch neben uns machen wir Bekanntschaft mit einem freundlichen Briten, der sich ebenfalls vor den Mücken und dem Dengue Fieber fürchtet. Und obwohl die Zeitverschiebung nur 2 Stunden und 30 Minuten beträgt, zieht es uns schon bald einmal zurück ins Bett. Tatsächlich scheint der Anti-Mücken Stecker zu helfen. In unserem Zimmer befinden sich nur noch etwa drei Mücken, die wir vor dem Schlafengehen erlegen.

Am nächsten Tag machen wir uns nach einem leckeren Frühstück auf in Richtung Stadtzentrum. Zuerst jedoch erkunden wir den unglaublich breiten, jedoch nur wenig belebten Sandstrand von Negombo. Vorbei an Boutiquen, Restaurants und unzählig vielen TukTuk Fahrern gelangen wir langsam voran. Die Temperaturen scheinen aber massiv heisser als noch gestern, wehalb wir in einem süssen Kaffe einen Zwischenstopp einlegen und einen Iced Espresso mit Milch schlürfen. Frisch gestärkt lassen wir uns etwas weiter vorne von einem erneut sehr freundlichen Sri Lankesen zu einer Velomiete überreden. Auf dem Drahtesel, wobei Rostesel eigentlich der passendere Name dafür ist, kommen wir viel schneller voran. Und weil Negombo nicht all zu viel zu bieten hat, ist die Entdeckungstoue ein paar Stunden später auch schon wieder beendet. In der Lagune begrüsst uns nebst den vielen Fischerbooten und den vielen Krähen auf Fischjagd hauptsächlich der unglaublich strenge Fischgeruch. Das Stadtzentrum ist derart unspektakulär, dass wir das erste mal vorbei fahren ohne zu merken, dass dies nun das Zentrum war. Es ist zwar doch etwas mehr los als in der Region unseres Guesthouse, jedoch sind kaum andere Touristen da. In einer Apotheke zeigen wir erneut meinen Unterarm, an dem sich nun um den roten Kreis nochmals einen zweiten roten Kreis zu bilden beginnt. Auch er meint aber, dass dies kein Grund zur Sorge sei und gibt uns erneut eine (wohl noch etwas stärkere) Salbe mit. Vergebens suchen wir dagegen ein starkes Mückenschutzmittel und sind uns reuig, dass wir uns in Thailand nicht eingedeckt haben.

Nachdem wir die Rostesel am Nachmittag wieder zurückgebracht haben, ich in einem Lederwarengeschäft bei einer wunderschönen Tasche aus Kuhleder schwach geworden bin und wir uns zu Hause etwas frisch gemacht haben, finden wir uns in einem offensichtlich sehr begehrten Restaurant zum Znacht. Wir geniessen zum ersten Mal sri lankesisches Essen, das dem indischen sehr gleicht, sich aber vom südostasiatischen stark unterscheidet. Der Schärfegrad des Gerichtes ist von mild zu medium bis spicy und zuguterletzt sri lankan spicy anzugeben. Ich wähle selbstversändlich mild und bin damit super bedient. Die Hauptattraktion im Restaurant ist ein unglaublich mudriger weisser grosser Goldfisch, der alle anderen Goldfische im Teich attakiert.

Hauptsächlich aus zwei Gründen fällt mir das Anklimatisieren an Sri Lanka momentan etwas schwierig. Ich fühle mich noch bei Weitem noch nicht so wohl wie in den drei zuvor bereisten Länder. Erstens, weil es kaum andere Touristen gibt. Der Guesthouse Besitzer erklärt uns, dass rund 18’000 bzw. 60% aller Hotelbuchungen aufgrund der politischen Zwischenfälle im Oktober storniert wurden. Eigentlich ist Hochsaison und normalerweise wären die Strände und Strassen zu dieser Jahreszeit belebt – leider ist dies nun nicht so. Obwohl ich nicht gerne an zu touristischen Orten bin, finde ich es unangenehm, wenn weit und breit keine anderen Ausländer anzutreffen sind. Der zweite Grund ist, dass die Gesellschaft und das tägliche Leben sehr stark von Männern dominiert wird. Damit meine ich nicht nur, dass einem als westliche Frau hinterhergepfiffen wird oder man keine kurzen Hosen tragen sollte. Einheimische Frauen habe ich in der Öffentlichkeit (ausser sie sind in Begleitung ihrer Familie) nur selten gesichtet. Anders als in den zuvor bereisten südostasiatischen Länder sieht man wenige bis keine Frauen in Läden oder Restaurants arbeiten. Und auch als ausländische Frau fühle ich mich in der Gesellschaft (ausser wir sind in einem touristischen Restaurant) ziemlich „ausgeschlossen“. Grundsätzlich wird nur Pusgi angesprochen. Das war zuvor zwar auch so, hier jedoch läuft anschliessend die gesamte Konversationen meist alleinig über ihn. Wenn ich etwas bezahle, begegne ich häufig erstaunten Augen und das Rückgeld erhält wieder Pusgi. Ich hoffe auf jeden Fall, dass ich mich in den kommenden Tagen noch etwas besser einleben und wohler fühlen kann.