Abenteuer Zug und Bus in Sri Lanka

COLOMBO – Mit einem privaten Taxi gelangen wir von Negombo nach Mount Lavinia. Weil wir in Negombo ziemlich weit weg vom Bahnhof wohnen und die Strecke in der Mitte durch die Hauptstadt Colombo unterbrochen wird, wäre die kurze Strecke mit der Bahn zu umständlich. In Mount Lavinia machen wir uns nach Check In gleich auf die Suche nach einem lauschigen Strandrestaurant und somit dem Strand. Doch was eigentlich nach einer einfachen Sache klingt, stellt sich sehr rasch als Herausforderung heraus. Zwischen unserem Hostel und dem Strand nämlich fährt im ungefähr 15-Minuten Tackt ein äusserst vollgestossener uralt erscheinender Zug. Pusgi meinte wir müssen einfach auf den Gleisen nach vorne laufen, mir war aber gar nicht wohl dabei weshalb ich mich dagegen weigerte. Immerhin hatten wir keine Ahnung wann und in welche Richtung ein Zug kommt und ich nehme nicht an, wo die weissen Streifen auf den Perons in der Schweiz nur zu dekorationszwecken sind. Wir suchen uns also einen anderen Weg. Nur irgendwie scheint es keinen anderen Weg zu geben. Und weil wir etwas hilflos dieselbe Strasse mehrmals auf und ab laufen, werden wir bald darauf von einem Local angequatscht. Er spricht sogar Deutsch. Auch er rät uns dann auf den Gleisen nach vorne zu laufen – also lasse ich mich überstimmen. Aber ausgerechnet als wir auf den Gleisen standen, kam von beiden Seiten ein Zug, die sich genau an der Stelle, wo wir standen, kreuzen sollten. Wir finden ein kleiner Zuflugsort neben den Gleisen und lassen die Züge passieren. Wohl ist mir dabei überhaupt nicht. Und weil der Typ von vorhin auch noch so ausdrücklich vor den Beach Boys gewarnt hat, ist auch Pusgi nicht mehr so überzeugt an den Strand zu gehen. Wir zwingen uns über den eigenen Schatten zu springen und gehen doch hin. Dort finden wir nichts Gefährliches, sondern viele zufriedene Sri Lankesen, die mit ihren Kindern am Strand spielen und baden. Touristen sind wir zwar nach wie vor die einzigen aber in einer Strandbar machen wir Bekanntschaft mit dessen sehr freundlichem Besitzer, der uns vieles über sein Land und die aktuelle Situation erzählt. Vor Sonnenuntergang kehren wir ins Hostel zurück, wo wir auf der Dachterasse ein Bier trinken, paar Spiele spielen und ein sehr leckeres Znacht geniessen.

Am Tag darauf sieht die Welt schon wieder viel besser aus. Wir entscheiden uns (obwohl wir uns am Vorabend aufgrund vieler Empfehlungen von Einheimischen und anderen Reisenden dagegen entschieden hatten) doch nach Colombo zu fahren und dort ein wenig die Stadt zu erkunden. Zudem wollten wir uns am Hauptbahnhof schlau machen über Fahrpläne, Sitzreservationen, einem Bus nach Dambulla und noch vieles mehr. Wir begeben uns also nach dem Frühstück an den sehr nahe gelegenen Bahnhof in Mount Lavinia und kaufen uns eine Fahrkarte. Was kann man von einer 20-minütigen Bahnfahrt für umgerechnet 15 Rappen erwarten? Als der von Rost befallene Zug in den Bahnhof einfährt und die Leute schon aus den Türen hangen, weil so wenig Platz ist, wusste ich was uns blühte. Die Einheimischen steigen aus, lassen die Touristen einsteigen und stehen erneut auf das Trittbrett der Türe. Los gehts. Die Zugfahrt ist amüsant und wahrhaftig ein Abenteuer. Dass die Wagen nicht aus den Gleisen springen ist eigentlich ein Wunder, aber die Strecke am Strand entlang hat durchaus seinen Reiz.

Einmal in Colombo angekommen versuchen wir erfolglos einen Fahrplan zu finden. Ebenso wenig ist am Reservationsschalter zu wollen. Die Züge sind bis Mitte Januar alle ausgebucht. Das heisst nicht, dass wir nicht mehr fahren können, sondern nur dass wir uns im voraus keinen Sitzplatz mehr reservieren können. Nach dem wenig ergiebigen Besuch am Bahnhof machen wir uns auf die Suche nach dem Busbahnhof, an dem wir morgen einen Bus nach Dambulla zu nehmen planen. Immerhin diesen finden wir in nur geringer Gehdistanz und sogar die Nummer des Buses nach Dambulla finden wir heraus. Also sind unsere must-dos erledigt und wir machen uns auf in die Stadt. Zuerst gehts ins Getümmel des Stadtviertel Pettah. Dann besuchen wir (leider zusammen mit einem zuerst sehr freundlich wirkenden Einheimischen – zum Schluss forderte er dann aber ein ziemlich saftiges Trinkgeld) die rote Moschee und die drei bekannten Hindutempel. Die Sights von Colombo sind wenig spektakulär und in knapp 30 Minuten abgeklappert. Es ist eher das zuvor erwähnte Getümmel, das es Wert ist zu erfahren. Zum Schluss fahren wir mit einem TukTuk zur Galle Face Green, eine grüne Promenade am Meer. Leider aber nicht annähernd so hübsch wie ich mir eine Promenade vorstelle. Es gibt keine einladenden Restaurants, keine Strassenständli und nebst uns kaum andere Leute. Wir setzen uns ins Pool-Restaurant des nahegelegene Luxus Hotel Galle Face und schauen den Wellen im Meer und den ziemlich frechen Palmennhörnchen zu. Als wir nach dieser Stärkung zurück zur Promenade kommen, hat sich diese tatsächlich etwas mit Leuten gefüllt, die ihre Drachen steigen lassen. Wirklich viel gemütlicher wirkt sie trotzdem nicht, wehalb wir uns auf die Suche nach einer Busstation machen.

Kaum an der Busstation angekommen, fährt auch schon ein Bus mit der Nr. 101 heran. Schon das Einsteigen in den Bus ist eigentlich das erste Abenteuer – die Busse in Sri Lanka halten nämlich nicht etwa an, sie werden lediglich etwas langsamer. Während wir fragen ob der Bus nach Mount Lavinia fährt, müssen wir schon in den Bus springen, sonst wäre er nämlich schon wieder weg gewesen. Wir finden tatsächlich einen Sitzplatz. Die Fahrt ist ziemlich angenehm und Pusgi vom alten coolen Bus begeistert. Als der Bus jedoch immer voller und voller wird und die Leute uns schon auf den Füssen herumstehen, wird es ungemütlicher. Etwas später geraten wir in einen hartnäckigen Stau und somit fällt auch die „Klimaanlage“ (Fahrtwind bei offen Fenster und Türen) weg. Doch immerhin funktioniert die Beschallungsanlage, über die ununterbrochen überaus fröhliche Volksmusik verteilt wird. Einige Meter weiter stellt der Motor des Buses plötzlich ab. Was nun? Die Leute beginnen alle auszusteigen als wäre nichts. Annscheinend ist der Bus nun kaputt gegangen. Also alle raus und in einen nach uns kommenden (natürlich auch schon vollen) Bus. Und falls ihr euch je wieder über einen vollen Bus in Bern beklagt, nein, der Bus ist nicht voll. Und die Luftqualität ist auch nicht stickig. 🙂 Alleine wegen der Hinfahrt mit dem Zug und der Rückfahrt mit dem Bus war der Besuch von Colombo eine gute Entscheidung. In einem Supermarkt kaufen wir uns zwei Bier und setzen uns erneut auf die Dachterasse unseres Hostels, wo wir etwas später zusammen mit fünf Engländern, zwei Deutschen und zwei Norwegen Kartenspiele spielen und einen fägigen Abend verbringen.