Kulturschock Sri Lanka und wie ich ihn überwunden habe

Nach insgesamt über zwei Monaten Reiseerfahrung in Asien und einer, ich wage mich das so einmal zu behaupten, weltoffenen und unkomplizierten Art, dachte ich, dass ich mich in Sri Lanka schnell einleben werde. Aber ich habe mich des besseren beleheren lassen müssen. Sri Lanka ist komplett etwas anderes, als was ich von Südostasien kannte und somit hatte ich die verangenen fast sieben Tage ähnliche Anklimatisierungsschwierigkeiten, wie ich sie vor etwas mehr als einem Jahr in Malaysia (da war ich das erste Mal in Asien) hatte. Diese Anklimatisierungsschwierigkeiten sind übrigens auch der Grund, weshalb es in letzter Zeit auf dem Blog nicht sehr viel zu lesen gab. Nach einigen Hochs, folgten auch wieder viele Tiefs und ich hoffe diese haben die ersten paar Sri Lanka Berichte nicht all zu stark geprägt. Wie auch immer.. Wie der Titel dieses Beitrags schon verratet, glaube ich den Schock überwunden zu haben. Dennoch will in diesem Beitrag niederschrieben, was ihn verursacht hat und wie ich ihn überwunden habe.

Weil wir direkt nach Vietnam, Kambodscha und Thailand nach Sri Lanka gekommen sind, waren meine Eindrücke von Südostasien noch sehr präsent. Selbstverständlich habe ich nicht gedacht, dass Sri Lanka gleich sei wie die südostasiatischen Ländern und dennoch habe ich wohl im unterbewusstsein ähnliches erwartet. Weil Sri Lanka doch aber massiv anders ist, konnte das Land diesen Erwartungen nicht gerecht werden, was sich bei mir in Enttäuschung zeigte. Zudem habe ich anfangs den Fehler gemacht, alle Punkte, (sei es das Essen, die Leute, die Sprache oder die Verkehrsmittel) mit den gerade erst gemachten Erfahrungen von Südostasien zu vergleichen. Aber es ist eigentlich nicht vergleichbar und schnitt desswegen immer schlechter ab. Weiter kommt die männerdominierte Gesellschaft dazu, die ich bereits im Bericht von Negombo angesprochen habe. Ich habe mich in der Öffentlichkeit nicht so wohl gefühlt wie ich es in Südostasien tat. Die fehlenden anderen Touristen, sowie die unzähligen Mücken und die Angst vor dem (in Sri Lanka doch noch etwas stärker verbreiteten) Dengue Fieber machten die ersten Tage nicht gerade einfacher. Wir waren erstaunt über die wenigen und meist fast leeren Restaurants in Negombo oder am Strand in Mount Lavinia und haben uns an der Weiterreise festgehalten. Doch in Dambulla wünschten wir uns dann, es hätte überhaupt ein einigermassen gemütliches aber leeres Restaurant. Denn in Dambulla sind die Restaurant (es gibt in der ganzen Stadt nur etwa drei) nicht nur leer, sondern auch noch ungemütlich. Von am Abend irgendwo ein Bier trinken gehen und ein Spiel spielen ist hier keine Rede. Im ungemütlichen Restaurant scheint Essen eine reine Zweckstätigkeit zu sein. Je schneller die Gäste wieder aus dem Laden raus sind, desto besser. Die Leute sind, das ist zumindest mein Empfinden, mit wenigen Ausnahmen weniger herzlich als ich es von Südostasien kenne. Mein Vertrauen in die Leute hier wurde in dieser einen Woche schon mehrere Male missbraucht. Die bisher besuchten Hostels oder Homestays liegen im Preis-Leistungs-Verhältnis unter dem Standard in Südostasien.

Kurz zusammengefasst: Viele verschiedene Gründe führten dazu, dass mir Sri Lanka bis vor kurzem nicht wirklich (ausgenommen von den tagsüber besuchten Sehenswürdigkeiten) gefiel und ich starkes Heimweh bekam.

Nach etwas Zeit (knapp einer Woche) und einer neuen Einstellung zu dem Ganzen, geht es nun seit etwa zwei Tagen schon viel besser und ich beginne langsam die kleinen schönen Dinge wieder zu entdecken. Ich habe mich mehrere Male gezwungen über meinen eigenen Schatten zu springen, habe bewusst aufgehört Sri Lanka mit Südostasien zu vergleichen und das Land mit seinen Vorzügen so zu nehmen wie es ist. Meine Erwartungen habe ich an das angepasst, was es wirklich ist und ich versuche das Positive aus der Geschichte zu ziehen. Ich erlebe in Sri Lanka ein Land, das so authentisch ist wie Thailand wohl seit über 10 Jahren nicht mehr ist. Und Sri Lanka vielleicht in 10 Jahren auch nicht mehr sein wird. Das nicht vorhanden sein von Restaurants in unserem westlichen Sinne oder von Touristenbussen zwingt mich dazu, tief ins Leben von hier einzutauchen. Noch kein anderes Land habe ich so nahe und authentisch kennen gelernt wie Sri Lanka und das bedarf einer anfänglichen Gewöhnungsphase. Doch die Erfahrungen, die man danach machen kann, wenn man sich darauf einlassen kann, sind unvergesslich.

Heute stand nebst dem Besuch des grössten Gemüsemarkts respektive Umschlagplatz zwischen Bauern und Verteilern nichts auf dem Programm und morgen gehts von Dambulla weiter nach Kandy.