Kandy und die entspannende hügelige Umgebung

KANDY – Am letzten Abend werden wir von Roe (wie sich Roi offensichtlich richtig schreibt) bekocht und ich muss sagen, ich habe wohl in meinem Leben noch nie so lecker gegessen. Unglaublich was er innert 90 Minuten alles hingezaubert hat. Mit den unterschiedlichsten Gewürzen verfeinert erscheinen die vielen verschiedenen Beilagen alle in anderem Geschmack. Wir entdecken Geschmacksrichtungen, die mit nichts uns Bekanntem vergleichbar sind. Als er uns zudem noch erzählt, dass er Bestandteile der Gerichte einfach in der Natur um das Haus finde sind wir baff. Seine Kochkünste beginnen also schon bei der Kenntnis über die unzählig vielen Zutaten. Ich bin begeistert! Während dem Dessert setzt Roe sich zu uns hin und wir reden über Gott und die Welt. Er interessiert sich wie und was wir in der Schweiz essen und wir zeigen ihm anhand von Bildern aus dem Internet was Müesli oder Rösti ist. Er im Gegenzug erzählt uns über die Essgewohnheiten der Sri Lankesen. Zudem erfahren wir viel über das Zusammenleben der verschiedenen Religionen im Land. Der Abend ist auf jeden Fall der am besten gelungene seit wir auf Sri Lanka verweilen. Umso schwerer fällt am Tag darauf der Abschied von Roe, der uns natürlich an die Bushaltestelle in Richtung Kandy gefahren hat.

Die Busfahrt (fast 2 Stunden stehend) gestaltet sich authentisch aber nicht wirklich angenehm. Wir schaffen es aber dennoch heil nach Kandy und finden in Gehdistanz zum Busterminal unsere nächste Bleibe. Kaum angekommen geht es für uns auf Entdeckungstour in die Stadt. Kandy ist eine quirlige Stadt – einige Restaurants, ein Shoppingzentrum, einen Markt, viel Verkehr, unzählige Menschen, die auf der Strasse die unterschiedlichsten Dinge verkaufen und auch sonst sind die Strassen (auf jeden Fall tagsüber) sehr belebt. Und als wir dann auch noch den See erreichen, der der Stadt einen eigenen Charme verleiht, muss ich sagen: Kandy ist im Vergleich zu Colombo, Negombo und Dambulla ein echtes Bijou! In der Nähe des Zahntempels lassen wir uns von einem pensionierten Lehrer zum Besuch der berühmten Kandyan Dances überreden. Diese seien am Wochenende spezieller als an den Wochentagen und da Sonntag war und wir sowieso einmal gehen wollten, gingen wir mit dem Lehrer mit. Die ungefähr einstündige Vorstellung hat uns zwar nicht aus den Socken gehauen, dennoch gab sie uns einen Einblick in traditionelle Musik, Tanzstile und Bekleidung der Sri Lankesen und war die knapp 5 CHF auf jeden Fall Wert. Nach der Show schlendern wir am Seeufer entlang zurück zum Hotel und geniessen im hauseigenen Restaurant ein sri lankesisches Curry zum Znacht.

Am darauffolgenden Tag machen wir uns nach einem im Vergleich zu Roe’s Zmorge ziemlich abfallenden Frühstück auf zum grossen weissen Buddha, der erhöht auf einem Hügel sitzt und so eine beeindruckende Aussicht über Kandy bietet. Der Aufstieg zu Fuss war zwar schweisstreibend aber absolut machbar. Keine Ahnung wie hoch der Buddha ist, aber als ich vor ihm stand waren seine Dimensionen nur atemberaubend. Nach dem Buddha gehts weiter zum berühmten Zahntempel in Mitten von Kandy. Das Gebäude an sich ist aus meiner Sicht nichts besonderes, das Gelände verglichen zu Angkor oder Sigiriya ziemlich klein. Doch die Massen an Gläubigen, die vor dem Zahn Buddhas sitzend beten ist schon erstaunlich. Soetwas habe ich im Christentum nie erlebt. Nach so einigen Tempelbesuchen bin ich aber langsam etwas tempelmüde, weshalb wir uns schon kurz nach Mittag wieder draussen befinden. Damit wir nicht auf die Idee kommen noch einen weiteren Tempel zu besichtigen, (soviele buddhistische Tempel wie ich im vergangenen Monat besichtigt habe, habe ich christliche Kirchen wohl in meinem ganzen Leben nicht gesehen) überlassen wir unsere sowieso schon zerfallenden „Tempelkleider“ gleich einem Mülleimer.

Auf dem Rückweg versuchen wir irgendwo ein Bier zum Apéro am Nachmittag zu bekommen. Da es hier in praktisch keinem Restaurant, in keinem Hotel und auch in keinem Supermarkt Bier zu bestellen/kaufen gibt, wird das eine kleinere Herausforderung. An einem sogenannten Wine Store werden wir fündig. Der Laden ist eigentlich viel mehr eine Theke, an der sich die Männer reihen, ihren Alkohol kaufen und wieder gehen. Das Geschehen gleicht einer Drogenabgabestelle und Pusgi meinte, er habe sich schon etwas wie einen Schwerverbrecher gefühlt, als ihm die vier bestellten Dosen Bier in einem schwarzen Plastiksack ohne Aufschrift übergeben wurden. Und das für 2 Liter herkömmliches Lagerbier mit nicht mehr als 5 Volumenprozent Alkohol. Den Nachmittag verbringen wir am Rooftoppool in unserem Hotel, bevor es nach dem Apéro (Schwerverbrecher-Bier und scharfe Nüssli auf der Dachterasse) zum Znacht in ein nahegelegenes nicht sehr einladenendes aber gutes Restaurant geht.

Am dritten Tag gehts in den zweitgrössten botanischen Garten Asiens. Unter den verschiedensten Bäumen schlendern wir durch den wunderschön gestalteten Garten und bestaunen bei absoluter Ruhe (das einzige was zu hören ist, ist Vogelgetzwitscher) die Artenvielfalt der Pflanzen auf Sri Lanka. Für mich kommt der Besuch nach unserem Tempelmarathon sehr gelegen und ich geniesse die Schönheit und Kraft der Natur. Mit dem Bus fahren wir am Nachmittag zurück nach Kandy, wo wir im Hotel auf der Dachterasse erneut ein Apéro geniessen, bevor wir uns in die Stadt auf Nahrungssuche begeben.

An unserem letzten Kandy-Tag steht Ausspannen am Rooftoppool auf dem Programm. Am Nachmittag treffen wir Pusgis Eltern, die seit ein paar Tagen auch in Sri Lanka umherreisen und wir laufen zusammen um den Kandy Lake. Kurz vor 5 Uhr geht es dann ab zum Bahnhof, wo Pusgi und ich erfolglos verusuchen, kurzfristig stornierte Sitzplätze im Zug für morgen nach Nanu Oya zu bekommen. Somit werden wir morgen ohne reservierte Sitzplätze reisen.. Dachten wir. Als Retter in der Not konnte uns jedoch der Gastgeber von Pusgis Eltern auf irgendeine Art noch zwei Tickets mit Sitzplatzreservation besorgen und so freuen wir uns auf die angeblich wunderschöne Zugfahrt von morgen.