Das schnuckelige Regenwald-Haus und die herzliche Familie dort

NUWARA ELIYA – Am Donnerstagmorgen machen wir uns nach erfolgreichem Check out in Kandy auf zum Bahnhof. Als der von Colombo her kommende Zug einfährt sind wir schon das erste Mal dankbar für unsere last-minute Sitzplatzreservation. Der Zug ist ausnahmslos voll. Das heisst, es wäre ohne unsere reservierten Sitzplätze nicht darum gegangen, ob wir sitzen oder stehen, sondern eher ob wir mitfahren oder nicht. Nicht wenige Reisende müssen trotz erworbenem Ticket aus Platzmangel im Zug in Kandy bleiben. Die Zugfahrt ist wie erwartet wunderschön und dank unserer Sitze auch ziemlich angenehm. Die Umgebung, durch die wir fahren, ist ein Traum – Wald, Teefelder, kleine Dörfer und vorallem Natur pur!

Nachdem wir in Nanu Oya aufs TukTuk umgestiegen sind, werden wir mit den kühlen Temperaturen im Hochland konfrontiert. Es ist nur noch knappe 20 Grad und wir leider immer noch in kurzen Hosen und Shirt unterwegs. Etwa 30 Minuten vom Bahnhof weg erreichen wir Nuwara Eliya, wo wir komplett aus dem Dorf-/Stadtzentrum raus rauf auf einen Berg bis an den Waldrand fahren. Das letzte Haus ist unser Homestay und wir werden von der Familie unglaublich herzlich begrüsst. Von Mutter und erwachsener Tochter werden wir kaum in der Küche angekommen wärmstens umarmt und willkommen geheissen. Sofort wird Tee aufgesetzt und uns unser Zimmer gezeigt, das richtig heimelig ist. Mitten in der Natur. In nun langen Kleidern und vor dem sofort angeschmissenen Elektroofen geniessen wir heissen Tee, Kekse und frische Bananen.

Eigentlich war unser Plan für morgen eine Wanderung durch die Horton Plains. Doch Romeni, die erwachsene Tochter, empfiehlt uns klar den Adam’s Peak zu besteigen. Es wäre sicherlich ein riesiges Abendteuer noch heute Abend loszufahren um Mitten in der Nacht diesen Berg zu besteigen und von dort oben den Sonnenaufgang zu sehen. Und in vielen Reiseberichten steht geschrieben, dass Sri Lanka ohne Adam’s Peak (wenn du einigermassen fit bist) wie ein Fish&Chip ohne Tartartsauce ist. Also entscheiden wir uns diese Herausforderung anzunehmen und befanden uns wenig später im Zentrum von Nuwara Eliya, wo wir uns warme sowie wind- und regenfeste Kleidung besorgen. Als wir aber zurück sind, meinte Lal (der Vater von Romeni), dass das Wetter eventuell nicht halten wird und es ziemlich schade wäre, wenn wir uns diese Strapazen antuen und nicht mit dem spektakulären Sonnenaufgang belohnt würden. Zudem lesen wir im Internet, dass der Weg nach oben vor der Pilgersaison (die erst übermorgen startet) nicht beleuchtet sei. Wir entscheiden uns wohl oder übel gegen das reizvolle Abenteuer und wegen der schlechten Wetterprognose und der hohen Eintrittspreise auch gegen die Horton Plains. Stattdessen verabreden wir uns um 8.30 Uhr in der Früh mit Lal zu einer vierstündigen Wanderung durch die Umgebung von Nuwara Eliya. Nach einem unglaublich leckeren Znacht, das uns von Grace (der Mutter von Romeni) und Romeni liebevoll zubereitet wurde, mummeln wir uns wenig später mit Bettflasche und warmen Socken in unser Bett ein. Der Elektroofen auf volle pulle danaben.

Zum Zmorgen gibt es selbstgemachtes traditionelles srilankesisches Frühstück – ein Traum! Wenig später machen wir uns zu sechst (drei Engländer, Lal und wir zwei) zu Fuss auf in den Regenwald. Lal erzählt uns viel über Fauna und Flora und wir sind begeistert. Einerseits von Lals Wissen, anderseits von der Funktionsweise der Natur im Wald. Etwas später finden wir Spuren eines Elchs sowie einese Leoparden. Leider (oder gott sei dank – je nach dem wie man das betrachten will) haben wir beide nicht zu Gesicht bekommen. Lal erzählte uns, dass der Leopard regelmässig ein paar Ponys von der Pferderundbahn zum Znacht hole. Also nichts wie weg hier. Nach dem Regenwald setzen wir unsere Wanderung durch die Teeplantagen vorbei an kleinen Dörfern und Gemüsegärten fort und schliessen sie nach ungefähr vier Stunden im Zentrum von Nuwara Eliya ab. Weil Pusgi sich ziemlich stark erkältet hat, wir vom Jungletrekking etwas geschaffen sind und es sowieso zu regnen beginnt, machen wir uns von da aus auf den Heimweg.

Nach einer warmen Dusche und frischen Kleidern spannen wir am Nachmittag etwas aus, bevor wir um 16.00 Uhr mit Grace und Romeni für einen Einblick in die srilankesischen Kochkünste abgemacht haben. Doch Pusgi fühlt sich allmälich schlächter als der Fiebermesser erhöhte Temperatur anzeigt. Also finde ich mich zusammen mit den drei Engländern und zwei Australiern alleine in der Kochschule. Wir haben aus einer frischen Kokosnuss selbst Kokosmilch hergestellt, die unterschiedlichsten Currys zubereitet, viel über die verschiedensten Gewürze gelernt und natürlich zum Schluss unglaublich gut gegessen. Auch Pusgi durfte (ans Bett serviert) kosten. Zudem wird ihm einen Kräutertee aus 40 verschiedenen Kräutern zubereitet und nasenschleimlösende Creme angeboten. Frühes Zubettgehen und eine warme Bettflasche helfen dabei, dass es heute schon wieder viel besser geht. Heute gehts nämlich mit dem Zug weiter nach Ella.