Abschluss mit Komplikationen

HIKKADUWA – Als wäre es nicht schon zermürbend genug, wieder ins vor etlicher Zeit verlorene Zeitgefühl zu finden, ist Hikkaduwa im Vergleich zu Unawatuna (aus meiner Sicht) weniger attraktiv. Aber damit nicht genug. Als uns das überaus herzliche Ehepaar vom Container Guesthouse in Unawatuna vor unserem neuen ebenfalls sehr schönen Guesthouse in Hikaduwa abgesetzt hat und wir erfolgreich eingecheckt sind, erkunden wir den Strand und die Strasse von Hikaduwa. Doch schon während dem Abendessen in einem Rotishop klagt Pusgi plötzlich über Niedergeschlagenheit und Gliederschmerzen. Da wir in der Nacht zuvor wegen längeren Jasspartien nicht all zu viel geschlafen haben, tue ich das Ganze unter Müdigkeit ab und wir gehen früh zurück in unser Zimmer. Als er während der gesamten Nacht jedoch kaum schläft und Körpertemperatur wie einen Ofen hat, wusste ich was uns blühte. So als wäre er in diesen zwei Monaten nicht schon genug krank gewesen. Am Morgen müssen wir das Frühstück ausfallen lassen und den ganzen Tag verbringen wir mehr oder weniger zu Hause im Bett. Unsere Gastgeberin kümmert sich sehr führsorglich um uns und weist uns darauf hin, dass mit Fieber in tropischen Gebieten nicht zu spassen sei, weshalb wir uns um 17.00 Uhr am Abend zum zweiten Mal auf dieser Reise in einer medizinischen Einrichtung befinden. Die Arztpraxis wäre, wenn die Lage nicht so ernst wäre, wahrhaftig einen genaueren Blick wert. Vor dem einfachen Haus mit Wellblechdach gilt es die Schuhe auszuziehen. Auch der Arzt und die Gehilfinnen laufen allesamt Barfuss umher. Die Warteschleife findet auf Plastikstühlen im Gang statt. Von Privatsphäre ist hier keine Rede – die Türe zum Arztzimmer ist immer offen und es werden mehrere Patienten gleichzeitig in demselben Zimmer behandelt. Die Toilette ist ein einfaches Loch im Boden. Wie auch immer – Pusgi erklärt dem Arzt sein Leiden, woraufhin der sofort den Verdacht auf Denguefieber stellt. Ein Bluttest soll Gewissheit schaffen, weshalb Pusgi Blut abgenommen wird. Das hat er gar nicht gerne und wirft ihn für sicher 15 Minuten komplett aus der Bahn. In 90 Minuten sollen wir für die Resultate zurück in die Praxis kommen. Gott sei Dank, der Denguetest ist negativ (also somit positiv), dafür macht dem Arzt das restliche Blutbild Sorgen. Pusgi habe erstaunlich wenig Blutplättchen im Blut, was mit Dengue zusammenhangen könnte. Sehr selten komme es vor, dass der Denguetest negativ ausspuckt obwohl dieser positiv sei. Falle seine Blutplättchenwerte bis morgen weiter ab, müsse er ins Spital und die Heimreise in vier Tagen wäre somit unmöglich. Nicht auch das noch – ich muss nach Hause reisen können, da ich zwei Tage später schon wieder auf meinen Flug nach Neuseeland muss. Der Arzt verschreibt Pusgi eine Litanei an Antibiotika und Medikamente, die wir daraufhin in einer Apotheke besorgen gehen. Den Tag beenden wir mit einem take away Rotti auf unserem Balkon ziemlich früh am Abend.

Am nächsten Morgen geht es Pusgi schon wieder besser. Ob es an den Medikamenten liegt oder es ihm auch sonst besser gegangen wäre, lassen wir mal dahingestellt. Sogar das Zmorge können wir heute wahrnehmen und nach weiterem Ausruhen im Zimmer geht es für uns am Nachmittag auf einen Tee in eine Strandbar, wo wir den Surfern zusehen und mentale Tiefpunkte zu überstehen versuchen. Eine solch schöne und lange Zeit so abschliessen zu müssen ist nicht einfach und überhaupt nicht wie wir uns das vorgestellt haben. Es braucht viel von der eben getankten Energie gerade wieder auf. Zudem belastet mich die Tatsache, dass ich Pusgi in wenigen Tagen für fast zwei Monate Tschüss sagen muss. Nach einiger Zeit schaffen wir es, den Fokus auf schönere Dinge zu lenken. Immerhin geht es Pusgi heute schon viel besser und er könne sicherlich mit nach Hause fliegen. Um vier Uhr am Nachmittag begeben wir uns erneut in die Arztpraxis um eine Blutprobe abzugeben, auf dessen Resultate wir in einer Strandbar bei einer Partie Raumschiffspiel warten. Anhand des Befindends von Pusgi sind wir fest davon überzeugt, dass das Resultat besser ausfallen muss als gestern und wir die Sache somit begraben können. Zwei Stunden später jedoch ein erneuter Hammer – Pusgis Werte sind unter die kritische Grenze gefallen. Auch der Arzt findet das ziemlich merkwürdig, da er erkennt, dass es Pusgi schon viel besser geht. Also wird erneut eine Blutprobe genommen. Wir sollen ihn in einer Stunde anrufen um die Werte telefonisch zusammen zu besprechen. Wir verlassen die Arztpraxis erneut in einem tiefen mentalen Loch. Doch eine Stunde später dürfen wir per Telefon die entwarnende und für mich derart erleichternde Nachricht entgegennehmen, dass nun aus Freude Tränen fliessen. Die erste Blutprobe von heute Nachmittag sei wohl falsch ausgewertet worden, die Anzahl der Blutplättchen sie im Vergleich zu gestern gestiegen und somit nicht kritisch. Daraufhin kommt auch unser Appetit wieder zurück, weshalb wir uns nun auf Nahrungssuche begeben.

Tag drei startet in unseren Gemütern sehr viel sonniger. Immerhin wird dies unser letzter Strandtag sein, nur leider will das Wetter gar nicht mitspielen. Schon kurz nachdem wir uns an den Strand in ein süsses Strohhüttli gelegt haben, beginnt es zu regnen. Immerhin schaffen wir es kurz vorher noch ein letztes Mal ins sehr wellige Meer. Nachdem wir in einer Strandbar vergeblich auf besseres Wetter warteten, zieht es uns nach Hause unter die Dusche. Zum letzten Mal fahren wir nochmals zum Arzt, der uns nur noch eine Rechnung ausstellt und uns alles Gute wünscht. Pusgi ist somit wieder ein freier Mensch, wie er selbst meint. Den Tag und damit eigentlich auch unsere Ferien schliessen wir in einem Restaurant am Strand ab.

Am 10. Januar fahren wir mit dem Zug von Hikkaduwa nach Colombo, wo wir erneut Märcu und Andrina treffen um anschliessend zusammen mit dem Bus nach Negombo fahren. Von dort aus werden wir am kommenden Morgen an den Flughafen und anschliessend zurück in die kalte Schweiz fliegen. Vorher aber gehen wir ein letztes Mal dem Meer Tschüss sagen und Essen alle zusammen ein letztes Mal srilankesische Spezialitäten. Von Kottu Roti über Rice&Curry bis hin zu Seafood. Schön wars!