Sommer – Winter – Sommer

PAPAMOA – Als wir in Bern aus dem Bahnhof hinauslaufen werden wir erstmals mit dem Schweizer Winter konfrontiert – eiskalt! Vorallem wenn das wärmste Kleidungsstück, das du dabei hast einen Kaputzenpullover ist. Nach zwei Monaten wieder zu Hause zu sein ist unglaublich – alles ist dir zwar vertraut und doch irgendwie fremd. Diese Vertrautheit nicht länger als 48 Stunden geniessen zu können ist fast etwas schade. Meine Gefühle für den zweiten Teil meiner Reise sind zu diesem Zeitpunkt sehr gemischt. Einerseits freue ich mich Neuseeland kennen zu lernen – anderseits wäre zu Hause bleiben gerade sehr schön. Zudem graut mir vor dem schmerzlichen Abschied von Pusgi. An meinem Geburtstag geniesse ich nach dem Auspacken und Waschen aber erst einmal den Winter in ganzen Zügen. Gott sei dank ein wundervoller Wintertag mit viel Schnee. Wenn man das kalte Wetter und die Dunkelheit nicht schon zwei Monate ertragen musste, kann man tatsächlich dessen Schönheit erkennen. Am Nachmittag wünsche ich mir zum Geburtstag einen Spaziergang durch die schönste Altstadt der Welt – ach, wie ich Bern vermisst habe und gerade wieder vermissen werde! Zum Znacht gehts seit langem endlich wieder einmal in eine Pizzeria. Nur leider habe ich aus Jetlag-Gründen absolut keinen Hunger. Wie auch immer, ich freue mich unglaublich meine Familie und Freunde zu treffen bevor ich wieder in die Ferne fliege. Es war ein sehr sehr schöner Geburtstag – danke! Der darauffolgende Tag ist dagegen weniger schön und damit meine ich nicht nur das Wetter. Der Abschied von zu Hause und vor allem von Pusgi rückt näher und stimmt mich traurig. Den ganzen Tag über mache ich eigentlich nicht viel mehr als neu packen und auf den Flug am Abend warten.

Der Flug nach Auckland mit Zwischenstopp in Dubai war vor allem eines: Unglaublich lang. Dank eines Business Class Upgrade auf dem zweiten Teil der Strecke wird es einigermassen erträglich. Dennoch ist die Geduld ziemlich klein, als der Immigration Officer tatsächlich 5 Minuten auf den kleinen Kieselstein im Profil der Wanderschuhe von Papi starrt. Nachdem der Kieselstein als sicher eingestuft wurde und wir in die Ankunftshalle tretten, erspähen wir schon Marco (meinen Onkel), der uns erwartet und mit nach Papamoa nimmt, wo wir für die nächsten beiden Wochen in seinem Haus übernachten dürfen. Einmal dort angekommen, werden wir von Tania, meiner Gotte, herzlich begrüsst und im Haus herumgeführt. Eine Dusche, einen kurzen Spaziergang an den Papamoa Beach und ein frühes BBQ später, gehts für uns ab ins Bett. Vorallem Papi scheint mit der Zeitumstellung zu haddern.

Die ersten beiden Tage verbringen wir in und rund um Papamoa respektive Mt. Maunganui und Tauranga. Marco fungiert als Tourguide und zeigt uns so einiges. Spannend finde ich die Art und Weise wie in Neuseeland Häuser gekauft und gebaut werden. Die Käufer kaufen das Grundstück von demselben Anbieter wie das zu bauende Haus. Das Haus kann aus einem Katalog, analog bei uns Kleider, ausgewählt werden. Jedes Modell eines Hauses trägt einen Namen. Kleinere Anpassungen können auf Wunsch vorgenommen werden, das ganze Haus wird wegen der Erdbebengefahr aus Holz und nicht aus Beton gebaut und wird innerhalb weniger Wochen fertiggestellt. Ohne Verzögerung. Viele Häuser in der Umgebung sehen ähnlich oder gleich aus und zwei- oder mehrstöckige Gebäude sind eine Seltenheit. Wir unternehmen Ausflüge an die verschiedenen Strände in der Umgebung, schauen den Surfern beim Surfen zu, baden im (im Vergleich zum indischen Ozean viel kälteren dafür weniger salzigen) Pazifik, laufen um den Mt. Maunganui, schnousen Kebab zum Zvieri, organisieren uns eine neuseeländische Sim-Karte und besuchen eine Kiwifruchtfarm, wo wir viel über den Anbau und dessen Herausforderungen lernen. Überraschend war vorallem, dass es nebst der grünen noch eine gelbe Kiwi gibt. Diese konnte ich in Europa noch nie sehen. Am dritten Abend kommt meine Cousine Tatjana auf neuseeländische Muscheln zum Znacht vorbei. Woah, ich liebe Muscheln!

An Tag drei brechen wir auf zu den Waitomo Caves, wo wir neuseeländische Glühwürmchen sehen wollen. Auf dem Weg dorthin stoppen wir bei den McLauren Falls, die im Moment erstaunlich wenig Wasser haben. In einem Boot fahren wir durch die Waitomo Höhlen, deren Decke wie ein Sternenhimmel aussieht. Voll mit leicht blau leuchtenden Würmchen – leider durften aufgrund der Tierchen keine Bilder gemacht werden. Znacht gibts dann auf einem sehr gemütlichen Streetfoodfestival in den Dünen ganz nahe am Meer. Die Stimmung ist entspannt, friedlich und einfach bombastisch.

Samstag Morgen machen sich Marco und Papi auf zu einem Fishing Trip. Ich schlafe aus, besuche zusammen mit meiner Gotte einen Markt und anschliessend Tatjana bei der Arbeit. Sie ist Hairdresser und rettet meine von der Sonne und dem Salzwasser kaputten Haare. Nach geglückter Arbeit besteigen wir zusammen den Mt. Manganui, was bei den warmen Temperaturen ziemlich anstrengend ist. Zudem nagen zwei kleine Jungs, die vor uns gehen und während des ganzen Aufstiegs ganz falsch Flöte spielen, an unseren Nerven. Die Aussicht von oben ist die Mühe aber allemals Wert. Zurück im Hafen bestellen wir uns Fish’n Chips und beobachten zu dem Gaumenschmaus ein auslaufendes Cruiseship. Beeindruckend wie gross diese Dinger sind! Zum Abschluss des Tages gehts zusammen mit den beiden Fischer auf ein Bier in eine typisch neuseeländische Taverne.