Bis hoch in die Luft

ROTORUA – Zum ersten Mal sind Papi und ich nun ohne neuseeländischen Tourguide Marco unterwegs. Als wir in Rotorua ankommen, wollen wir uns zuerst einen Campingplatz für die nächsten zwei Nächte organisieren. Unser bevorzugter Platz nahe des blue lake, etwas abseits von Rotorua ist komplett ausgebucht, weshalb wir weitere Plätze anfahren. Als ich die Hoffnung schon fast verliere und meine Laune sinkt, hat Campingplatz Nummer drei ein freies Plätzli für unser munziges Zelt. Wir schlagen dieses also zuerst auf, bevor wir unser eigentliches Programm starten. Sobald die Operation geglückt ist, machen wir uns auf den Weg zu den buried villages. Dort bestaunen wir Überbleibsel vom tragischen Vulkanausbruch im Jahr 1886 und erfahren viel über die Maori Kultur. Vom Themenpark selbst bin ich zwar etwas enttäuscht, dennoch bleibt der Ausflug wegen des gemütlichen Spaziergangs im Schatten grosser Bäume in guter Erinnerung. Besonders eindrücklich ist der grosse Wasserfall, den wir auf einer Extraschlaufe durch den Wald zu Gesicht bekommen. Im Anschluss fahren wir Lake Tarawera, sowie die beiden vorhin passierten Seen blue und green lake an. Tatsächlich ist der eine See, der immer noch in Besitz der Maori ist, grün und der andere blau. An einem Aussichtspunkt zwischen den beiden Seen, ist dies deutlich erkennbar – beeindruckend!

Nach einem nachmittäglichen Besuch in der nicht sehr belebten Stadt Rotorua und einem einfachen take away Fish’n’Chips zum Znacht machen wir uns in der Dämmerung auf in den redwood forest. Dort wollen wir auf den bekannten treewalk, der wegen seiner Lichter vor allem am Abend sehenswert sei. Und tatsächlich werde ich von der vielseitigen Schönheit des Spaziergangs überrumpelt. Schon die gigantisch grossen Bäume in den wunderschönen Farben der untergehenden Sonne und der frische Geruch von Wald sind unglaublich. Doch das Erlebnis wird wegen des spektakulären Wegs hoch oben in der Luft, den tollen Designerlampen in den Bäumen, der kleinen Lichter überall, der spannenden Informationen und aller weiteren kleinen Überraschungen zum Highlight. Ich bin begeistert! Durchgefrohren aber überwältigt falle ich ins Zelt, wo ich zitternd vor Kälte irgendwann in den Schlaf finde.

Am Tag darauf gehts nach einem rudimentären Zmorge auf dem Campingplatz und einer heissen Dusche auf in den Themenpark Te Puia, wo wir uns nach einem Kaffee als erstens von einer kulturellen Show der Maori berieseln lassen. Aus meiner Sicht ist diese absolut gelungen und gibt einen tiefen Einblick in Musik- und Tanzstile, Kleidung, Geschichte und andere Traditionen der Maori, wie beispielsweise Kampfvorbereitungen. Nach der Show suchen wir in einem Kiwihaus vergebens nach den einheimischen flügellosen Vögel und warten dann ungefähr eine Stunde darauf, dass der grosse Geysir (Pohutu) ausbricht. Aber auch dieses Warten lohnt sich allemal – die Kraft, die hier vom Inneren der Erde bis hoch in die Luft schiesst ist atemberaubend. Auf dem restlichen Rundgang lernen wir viel über die geothermischen Aktivitäten in der Gegend, die Bauweise der Maori, deren Handwerk (Flechten, Holzschnitzen, etc.) sowie ihrer Küche. Hagi – ein traditionelles Gericht wird in einem sogenannten cooking pool zubereitet. Dabei werden Zutaten (Gemüse und/ oder Fleisch) in einem geflochtenen Korb in ein Loch, in dem kochendes Wasser an die Erdoberfläche gelagt, gehalten bis diese gekocht sind. Der Schwefelanteil, der das Wasser im Essen hinterlässt, ist je nach Loch unterschiedlich und wurde früher mithilfe von trial and errror eruiert.