Ausser Mobilfunknetz viel erlebt

NELSON / CAP FAREWELL – Um 9.00 Uhr verlässt unsere Fähre den Hafen von Wellington. Die Überfahrt gestaltet sich erst unspektakulär bis ich zum ersten Mal seit drei Wochen Pusgi telefonisch erreiche. Unglaublich wie wohltuend seine Stimme ist! Bis wir in den Queen Charlotte Sound einfahren, lenkt mich das Gespräch mit ihm von meiner Seekrankheit ab. Dann gehts für ihn schlafen und für mich auf das Observationsdeck, denn unterdessen ist nicht nur das Meer ruhiger, sondern auch die Umgebung malerisch geworden. Durch enge Schluchten fahren wir bis nach Picton, wo wir die Fähre verlassen und erneut ein Auto schnappen. Mit dem brandneuen (der Wagen hat noch keine 6’000 KM!) hybrid Flitzer in pepper Farbe gehts los Richtung Nelson.

Von Nelson erwarte ich wenig bis gar nichts, dennoch zieht es uns nach Check-In in unserem Backpacker ins „Stadtzentrum“ und siehe da: Nelson ist eine wahre Überraschung! Trotz lokalem Feiertag gestaltet sich die Innenstadt ziemlich belebt. Es gibt eine autofreie, sehr schön bepflanzte Zone mit einigen Restaurants und sogar ein paar Shops. Ich weiss nicht genau wieso, aber der Ort erinnert mich ein wenig an München. Wir essen einen leckeren Burger, trinken ein Bier und schlendern zum Hafen, gehen einkaufen, trinken ein zweites Bier und machen uns dann auf den Rückweg.

Der nächste Tag startet etwas früher. Nach einem Zmorge im Backpacker gehts auf nach Kaiteriteri von wo aus wir den Abel Tasman Nationalpark erkunden wollen. Eigentlich mit dem Kayak, das war auf jeden Fall der Plan. Und obwohl es noch nicht so spät ist als wir den sehr touristischen Ort erreichen, sind alle Touren bereits gestartet. Weil wir uns die bilderbuchschöne Natur jedoch nicht entgehen lassen wollen und uns die Zeit fehlt um auf die Kayaktouren am Nachmittag zu warten, entscheiden wir uns für eine Bootstour. Nur ungefähr 30 Minuten später kommt das kleine Motorböötli angerattert, wie steigen ein und düsen los. Die Eindrücke der nächsten drei Stunden lassen sich nur sehr schwer in Worte fassen. Auf Adele Island können wir 6 Wochen alte Robbenbabys beobachten, am Anchorage Beach finden wir einen Strand wie auf einer Postkarte, beim Split Apple Rock fragen wir uns wieso dieser nahezu perfekt runde Stein wohl verbrochen ist, im Shag Harbour sehen wir durch wunderschön türkis farbenes Meerwasser einen Rochen am Boden schwimmen, auf einem Felsen nahe der Küste meine ich Pinguine gesichtet zu haben und mit dem Seekrank hält es sich auch in aushaltbarem Rahmen. Einfach nur bezaubernd!

Gestärkt durch Fish’n’Chips machen wir uns auf den Weg ans Cap Farewell und wir stellen uns auf absolutes Outback ein. Als aber sogar die geteerte Strasse endet und das Navi immer noch ca. 20 Minuten Fahrt bis zum Campingplatz, wo wir uns ein Cabin für die Nacht gebucht haben, anzeigt, realisieren wir erst wie ab vom Schuss dieser Ort wirklich ist. Der 3G Empfang ist schon längst hinüber, jetzt ist aber auch mit sämtlichem anderen Mobile-Empfang Schluss. Die Strasse endet auf einer Farm in einer Weide wo zwei Pferde, unzählige Schafe, Enten und ein Pfahlpaar mit fünf Jungen zu Hause zu sein scheinen. Diese Farm ist die Rezeption für unsere Unterkunft. Das Cabin im Mitten vom Nichts mit seiner Terrasse jedoch wunderschön. Kaum eingecheckt machen wir uns zu Fuss noch weiter ins Abseits zum Wharariki Beach. Schon alleine der Weg dorthin ist bezaubernd – zuerst führt er durch Schafweiden, dann durch einen schnörkeligen Wald. Als dieser Wald jedoch endet und ich den Strand erblicke bleibt mir tatsächlich für kurze Zeit der Atem aus. Soetwas schönes habe ich noch nie in meinem ganzen Leben gesehen! Der Strand ist riesig und unglaublich abwechslungsreich – wir verbringen ohne Problem anderthalb Stunden am Strand (obwohl man dort nicht baden kann) und haben eigentlich immer noch nicht genug. Zurück auf der Farm realisieren wir nach einer Dusche, dass wir innerhalb der nächsten 60 KM wohl nichts Znacht mehr erhalten und der Abend ohne WiFi lang werden könnte, weshalb wir uns mit ein paar Riegeln im Magen und unzählig vielen neuen Eindrücken im Herzen früh schlafen legen.

Mit etwas weniger Wetterglück starten wir früh in den kommenden Tag und fahren von der Farm weg Richtung Zivilisation. Der erste Stopp am Farewell Spit gestaltet sich wegen Regen und schlechter Sicht nicht all zu lange und weil wir noch eine lange Strecke vor uns haben, fahren wir nach der Begegnung mit dem wohl süssesten Schaf auf Erden weiter Richtung Süden. An Zwischenstopp Nummer zwei beeindrucken uns die Farben der Te Waikoropoupou Springs auch trotz des unvorteilhaften Wetters – erneut dieses unglaublich klare und blaue Wasser, das ich schon bei den blue springs auf der Nordinsel bestaunen durfte. In Richmond decken wir uns in einem Supermarkt mit ausgiebig Profiant (ja, wir sind von den Riegeln zum Znacht gekränkt) ein und fahren durch wenig erwähnenswerte Gegenden weiter bis an die Westküste.