Ein Dankeschön an die Seekrankheit

TIMARU / KAIKOURA – Nach einem leckeren letzten Zmorge an der Esplanade in Dunedin, gehts an der Ostküste der Südinsel wieder dem Norden zu. Den ersten Zwischenstopp erreichen wir nach nur einer knappen Autofahrtsstunde in der Nähe von Moeraki – die Moeraki Boulders. Die Boulders sind nahezu perfekt kugelrunde und deshalb sehr spezielle Steine (grosse Steine!) am Strand von Moeraki. Nebst den steinernen Kugeln, gibt es am Strand aber noch eine weitere Attraktion – frei lebende Delfine schwimmen derart nahe an der Küste in den Wellen, dass diese vom Strand aus von blossem Auge beobachtet werden können.

Weiter gehts bis nach Timaru, wo wir über Nacht bleiben wollen um die Strecke bis nach Kaikoura zu unterbrechen. Nachdem wir auf einem Campingplatz ein Cabin ergattert und im Supermarkt eingekauft haben, braten wir uns erneut einmal selbst ein Znacht, bevor wir uns ins Zentrum von Timaru begeben. Eigentlich ist der Plan dort ein Apéröli zu nehmen bevor wir zwischen 10 und 11 Uhr am Abend die Pinguine beobachten, die von ihrer Futtersuche im Meer an Land zurückkehren um ihre Jungen zu füttern. Das Zentrum von Timaru scheint aber an einem Wochentag nach 8 Uhr am Abend komplett ausgestorben zu sein. Es ist kein einziger Shop, kein einziges Restaurant mehr geöffnet, Papi und ich sind die einzigen beiden Personen in der Stadt und auch Autos fahren nur ungefähr drei an uns vorbei. Dass die Neuseeländer nicht so abendaktiv sind, haben wir unterdessen schon häufig erfahren, so extrem war es aber tatsächlich noch nie. (Vorallem wenn man beachtet, dass wir alles andere als im konpletten Outback sind.) Nichts desto trotz, das Dörfli wäre sehr härzig.

Also begeben wir uns viel zu früh an den Strand wo wir zusammen mit ungefähr 15 anderen Personen auf die Pinguine warten. Weil sich die Brütsaison aber bereits dem Ende zu neigt, war auch dieses Warten vergebens. Wir können in den Felsen zwar ein paar Pinguine sehen, jedoch keine beim Hineinwatscheln vom Meer beobachten.

Am Tag darauf machen wir uns weiter Richtung Kaikoura. Das kleine Dörfli, welches hauptsächlich für seine Whalewatchingtouren bekannt ist, erreichen wir nach einer unspektakulären Fahrt über die neu aufgebaute (im Jahr 2016 durch ein Erdbeben komplett zerstörte) Strasse kurz nach dem Mittag. Weshalb wir dahin fahren? Nah, auch wegen genau einer solchen Whalewatchingtour. Weil ich aber in den letzten paar Monaten bereits mehrere Male erfahren musste, dass ich nicht fürs offene Meer und Boote gemacht bin, graut mir vor dem Trip. Wir begeben uns also am Nachmittag vorsichthalber schon mal zum Zentrum, um die morgige Tour mit den Fachleuten dort zu besprechen. Als der Typ am Counter ganz klar vor Seekrankheit warnt und mir bei meinen Voraussetzungen davon abrät, gibt es nebst dem Stornieren noch eine andere Option: Die Wahlfische statt vom Boot, von der Luft aus zu beobachten. Ohne zusätzliche Kosten können wir den Bootstrip in einen Rundflug in einem kleinen Propellerflugzeug umbuchen, was mich sehr erleichtert. Zudem freue ich mich auf die Erfahrung in diesem kleinen Flieger. Nach geglücktem Umbuchen erkunden wir das kleine Dörfli Kaikoura, schlürfen ein Apéro, essen etwas Znacht und begeben uns zurück zum Backpacker, wo wir einen gemütlichen Abend geniessen.

Um ungefähr 10 Uhr des kommenden Vormittags erreichen wir den Flugplatz, von wo das kleine Flugzeug starten soll. Wir checken ein, doch der Pilot warnt uns schon vor, dass der Flug aufgrund einer dicken Wolke eventuell zeitlig gegen hinten verschoben werden muss. Und so kam es, dass wir nach einer halbstündigen Wartezeit eine neue Abflugszeit am Nachmittag vereinbaren. Die Zwischenzeit nutzen wir für einen wunderschönen Spaziergang beim Kaikoura Peninsula, wo wir unter anderem erneut Robben beim Baden und Schlafen zusehen können.

Zurück am „Flughafen“ sieht das Wetter glücklicherweise nun gut aus. Zusammen mit vier anderen Personen begeben wir uns nach einer kurzen Instruktion also in dem kleinen Fliegerchen über das Meer. Eigentlich wäre schon der Flug alleine einen Ausflug wert gewesen – die Sicht über das Meer, die Küste und die Alpenkette im Hinterland, einfach nur bezaubernd! Aber tatsächlich erspähen wir schon kurz nach Abflug einen Wahlfisch und wenig später auch noch eine riesige Herde (falls man dem Herde sagt) Delfine. Begeistert von den Eindrücken und mit unzählig vielen neuen Fotos auf unseren Gerätli begeben wir uns für ein Znacht zurück ins Dörfli. Und mit dem Zuendegehen des drittletzten Stopps auf unserer Reise, beginnt schon ein wenig das Reflektieren über die vergangenen 6 Wochen.